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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

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Anne Applebaum

Der Gulag

Cover: Der Gulag

Siedler Verlag, Berlin 2003
ISBN-10 3886806421
ISBN-13 9783886806423
Gebunden, 736 Seiten, 32,00 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Frank Wolf. Mit 45 Abbildungen. Wie entwickelte sich aus dem Chaos der Revolutionszeit ein weit verzweigtes, geregeltes, zentral gesteuertes und in seinem Umfang bis dahin beispielloses System zur Ausbeutung von Zwangsarbeit? Welche Bedeutung hatten Zwangsarbeit und Gulag für das sowjetische System? Wie gestaltete sich das Leben in den Lagern? Dies sind nur einige der Fragen, denen die renommierte amerikanische Journalistin Anne Applebaum in ihrem neuesten Buch nachgeht. Gestützt auf umfangreiches Quellenmaterial aus sowjetischen Archiven, das erst in jüngster Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, und auf zahllose Häftlingserinnerungen und Gespräche mit Überlebenden zeichnet die Autorin das Gulagsystem von seinen Ursprüngen in den Revolutionsjahren bis zu seiner Auflösung in den achtziger Jahren nach.

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Rezension Perlentaucher

Wer neben den Geschichten aus dem Archipel Gulag seine Geschichte kennen lernen möchte, der muss Anne Applebaums "Der Gulag" lesen. Es ist eine sorgfältige Arbeit, deren Wert trauriger Weise dadurch gesteigert wird, dass manche der Quellen, die die amerikanische Journalistin hat auswerten können, inzwischen wieder zur Verschlusssache erklärt wurden. Anne Applebaum erzählt die Geschichte des Gulagsystems, und sie versucht, seine Systematik sich und den Lesern verständlich zu machen. Die Autorin ist zu klug, um sich in die Debatten über Totalitarismus oder Nicht-Totalitarismus einspannen zu lassen. Aber sie ist auch klug genug, um das Gulagsystem nicht ausschließlich als russisches oder sowjetisches Phänomen zu betrachten. Sie schreibt in ihrer Einführung...
Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2004

Bestnoten vergibt Rezensent Günther Heydemann an diese erste umfassende Geschichte des sowjetischen Gulag-Systems. Anne Applebaum habe nicht nur die zahlreichen Erinnerungen und Memoiren, die in den letzten zwanzig Jahren erschienen sind, fast vollständig ausgewertet, "ohne je die kritische Distanz gegen über diesen schwierigen, weil höchst subjektiven Quellen zu verlieren". Erstmals habe sie auch die Akten aus dem zentralen Gulag-Archiv sowie einzelner Lagerkomplexe auswerten können. Wo Akten, beispielsweise die des Innenministeriums, nicht zugänglich waren, habe Applebaum die Lücken mit Samisdat-Veröffentlichungen geschlossen. Aus der Schnittmenge beider Quellen ergibt sich für den Rezensenten "ein umfassendes und zugleich konkretes Bild der Entwicklung des Gulag im Verlauf von sieben Jahrzehnten". Doch nicht nur diese Gesamtentwicklung fand Heydemann kenntnisreich beschrieben. Ebenso breit sei der Alltag der Häftlinge dargestellt und in der gelungenen Verknüpfung beider Aspekte sieht der Rezensent einen Hauptvorzug des Buches.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.02.2004

Eine wirklich bedeutende Untersuchung, die "nichts weniger als eine Gesamtdarstellung des sowjetischen Lagersystems" leistet, fand Jürgen Zarusky in dem Buch der ehemaligen Warschaukorrespondentin des Economist, Anne Applebaum. Die Autorin schildert die Entwicklung des Gulag von den "Nördlichen Lagern zur besonderen Verwendung", die 1923 auf den Solowezki-Inseln im Weißen Meer eingerichtet wurden und in denen erstmals die systematische Ausbeutung der Häftlingsarbeit entwickelt wurde, über die Massenverhaftungen und -erschießungen in den Jahren 1937/38, bis hin zum Ende des stalinistischen Terrors mit dem Tod des Diktators 1953, berichtet der Rezensent. Leider wurde das Buch nicht gründlich lektoriert, so dass dem Leser einige inhaltliche Fehler, zuweilen auch grobe "Schnitzer" zugemutet werden, merkt Zarusky an, wie etwa die Behauptung, die Westalliierten hätten beim Nürnberger Prozess "die sowjetische Legende von der deutschen Täterschaft beim Massaker von Katyn akzeptiert". Zudem bedauert er, dass es Applebaum angeblich nicht gelingt, den "inneren Zusammenhang von Stalins großem gesellschaftspolitischen Projekt, das die Produktionsziffern... ebenso rasant ansteigen ließ wie die Zahl der Zwangsarbeiter" klar herauszustellen. Von diesen Punkten abgesehen liegt mit Applebaums Buch indessen eine umfassende Studie vor, die in einer Fülle von Häftlingsaussagen und mit "tiefer und kenntnisreicher Empathie für die Opfer" das Schicksal von achtzehn Millionen Menschen der "Ignoranz" in Ost wie West entreißt, so der Rezensent.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.11.2003

Ulrich Speck ist von dieser Studie über den sowjetischen Gulag, der erst mit der Amnestie aller politischen Gefangenen durch Gorbatschow abgeschafft wurde, tief beeindruckt. Er begrüßt es nachdrücklich, dass mit Anne Applebaums Untersuchung "endlich die bisher fehlende Synthese" zwischen "Sowjetkommunismus und Lagersystem" vollzogen wurde. Applebaum, die als Kolumnistin für die Washington Post schreibt, habe überzeugend dargelegt, dass die Lager Nicht, wie bisher angenommen, hauptsächlich auf die Tötung der Häftlinge abzielten, wenn dies auch billigend in Kauf genommen wurde, sondern vielmehr wirtschaftlichen Zwecken dienten, indem die Insassen als "Arbeitssklaven" gehalten wurden, so Speck. Als "innovativsten und spannendsten" Abschnitt des Buches lobt er die Schilderungen des Lagersystems und des Alltags der Häftlinge, in dem Applebaum sachliche Darstellungen mit Zitaten ehemaliger Häftlinge kombiniert. Die Autorin kann zeigen, das es trotz aller Unterschiede der einzelnen Lager Gemeinsamkeiten in der Organisation gab, lobt der Rezensent. Er weist darauf hin, dass es im "offiziellen Russland" noch nicht zur umfassenden Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der Vergangenheit gekommen ist, nach Ansicht der Autorin aus Rücksichtnahme auf ehemalige Kommunisten, die heute in hohen politischen Ämtern sind.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2003

Manfred Hildermeier ist beeindruckt: die bislang umfassendste, detailreichste und am besten recherchierte Darstellung des Gulags und - vor allem auf Grund der "ebenso akribischen wie engagierten Lektüre aller erreichbaren Memoiren" für die beklemmende Darstellung der Lebensaspekte der Gefangenen - "ein Buch, das man nicht so leicht vergisst". Dazu schreibe Anne Applebaum die Geschichte der Institution des Gulags, von den Anfängen in den zwanziger Jahren, als die Lager und die von den Gefangenen verrichtete Arbeit zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor wurden, bis zur Endphase des stalinistischen Gulags. Applebaums Buch sei gespickt mit neuen Erkenntnissen, und selbst, wo sie Bekanntes referiert, lasse sie "durch die Breite ihrer Quellen und die Anschaulichkeit der Präsentation die bloße Rekonstruktion weit hinter sich". Eine Pionierleistung, findet Hildermeier.

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