Bücher der Saison
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Klappentext
Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Peter Urban. Ganz im Gegensatz zum kämpferischen Impetus und dem Getöse, mit dem die Futuristen in der Öffentlichkeit auftraten, ist der Ton Elena Guros, die sich (wie auch Chlebnikov) konsequent von öffentlichen Disputen ferngehalten hat, ein leiser, nachdenklicher, von ihrer "heimlichen Liebe" gegenüber allem Lebenden getragener Ton, zart, einfühlsam, verzaubert von der Natur und ihren Mysterien. Ihre fragmenthafte Prosa, die, auch darin der Chlebnikovs verwandt, oft in freie, reimlose und experimentelle Verse übergeht, trägt noch impressionistische Züge und bringt mit ihrer Zartheit und Nachdenklichkeit einen in der russischen Literatur so nie gehörten Ton hervor.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2004
Nur kurz stand die russische Dichterin und Malerin Elena Guro auf der öffentlichen Bühne, von der die Futuristen lautstark ihre Manifeste verkündeten. Das lag daran, erklärt Reinhard Lauer, dass Guro bereits 1913 im Alter von 36 Jahren starb und dass sie außerdem eine Dichterin der leisen Töne war, wenn auch nicht minder radikal. Die Parolen ihrer Futuristenfreunde hat sie jedenfalls, stellt Lauer mit Vergnügen fest, nicht befolgt. Guros Neuerertum besteht für ihn in ihrem synästhetischen Weltempfinden, ihrer feinfühligen Annäherung an die Natur, Tiere, Menschen, in ihrer Fähigkeit, Stimmungen aufzuspüren und in einer freien Sprache, von Prosa in Verse übergehend, auszudrücken. Die Grafik und vor allem die Phonetik der Wörter hatten für Guro Priorität vor dem Sinnzusammenhang, erläutert Lauer fasziniert. "Musikalischer Symphonismus" habe Guro ihr Programm genannt. Auch in Russland sei Elena Guro nur wenigen bekannt, weiß der Rezensent und spricht dem Herausgeber und Übersetzer Peter Urban ein großes Kompliment für seine Auswahl aus.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2003
Elena Guro stellt eine große Ausnahme im Kreis des männlich dominierten russischen Futurismus dar, erklärt Ralph Dutli, der Guros Dichterkollegen selbstherrliche lautstarke Gesten unterstellt. Wie sich der literarische Futurismus in Russland mit einer stärkeren weiblichen Komponente weiterentwickelt hätte, darüber kann Dutli nur spekulieren, denn die einzige Frau unter ihnen, Elena Guro, verheiratet mit Matjuschin, starb 1913 im Alter von 37 Jahren an Leukämie. Guros Futurismus ist naturbezogen, schwärmt Dutli, ein "panpoetischer Futurismus", von dem eine starke poetische Leuchtkraft ausgehe. Nicht so sehr die Stadt, sondern die Natur faszinierte sie, erzählt Dutli, der ganz bezaubert von den zarten Sätzen der Dichterin scheint. Selbst wenn es Guro in der Stadt umgetrieben hätte, so der Rezensent, dann wäre diese beseelt, von Energie durchdrungen gewesen. Nicht das Grelle, sondern das "verhalten Blühende", das "sanft Erkannte", hätten es Guro angetan. Bedauerlich ist in Dutlis Augen, dass die anderen Futuristen Guros zarter Stimme, ihrer "Barfüßer-Poesie" sowenig Beachtung schenkten, und umso erfreulicher, dass die Friedenauer Presse dieser Doppelbegabung in Text und Bild in der bewährten Übersetzung von Peter Urban einen schönen kleinen Band widmet.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2003
Jelena Guro war eine Ausnahmeerscheinung in der russischen Literatur, schwärmt Ilma Rakusa, eine Künstlerexistenz im Übergang zweier Epochen des vorrevolutionären Russland. Guro malte, dichtete und schloss sich 1910 einem Petersburger futuristischen Kreis an, dessen künstlerischen Weg sie aufgrund ihres frühen Todes nicht nachfolgen konnte. Rakusa äußert Zweifel, ob sich Guro mit der späteren Rigorosität der Futuristen hätte anfreunden können. In ihren Augen war Guro eine äußerst sanfte Person, die sich allem Lauten und Propagandistischen verschloss. Stattdessen verband sie eine ganz kindliche Wahrnehmung mit sprachlichen Neuerungen, verband Lautpoesie und Kinderverse, Naturbeschreibungen und Märchenwelt, schreibt Rakusa. Guro fand dabei zu einem ganz unverwechselbaren Ton, preist Rakusa die Autorin. Der Übersetzer Peter Urban hat für die Friedenauer Presse eine "aparte" Auswahl aus Guros schmalem Werk getroffen, die Prosaminiaturen und einige Gedichte, aber auch Zeichnungen der Guro enthält. Auch wenn der Band "Lieder der Stadt" heißt, war Guro, beteuert Rakusa, eine überzeugte Anti-Städterin, deren eigentliches Reich die Natur war, der sie sich franziskanisch-demütig genähert habe und ohne jenen "herrischen Gestus der Futuristen".
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