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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Hanno Ehrlicher

Die Kunst der Zerstörung

Gewaltfantasien und Manifestationspraktiken europäischer Avantgarden. Diss.

Cover: Die Kunst der Zerstörung

Akademie Verlag, Berlin 2001
ISBN-10 305003646X
ISBN-13 9783050036465
Gebunden, 542 Seiten, 64,83 EUR

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Klappentext

Mit 3 Farb- und 36 s/w-Abbildungen. Die Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhunderts erregten die Aufmerksamkeit ihrer Zeitgenossen nicht zuletzt durch eine drastisch vorgetragene rhetorische Gewaltbereitschaft, die sich bis zum zynischen Gestus der Menschheitsvernichtung steigern konnte. Noch die moderne Avantgardeforschung reagierte auf diese Provokation vor allem moralisch. Dagegen wurde das performative Potential einer gestisch in den symbolischen Formen der Kunst ausgelebten Gewalt weitgehend übersehen. Hanno Ehrlicher tritt diesem Defizit entgegen und nimmt die inszenatorisch-theatralische Dimension avantgardistischer Gewaltphantasien in den Blick. Außer den bekannten Avantgardebewegungen Futurismus, Dadaismus und Surrealismus werden zum ersten Mal auch der spanische Ultraismus und der englische Vortizismus in einer breiten kulturvergleichenden Perspektive vorgestellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001

Mit "Die Kunst der Zerstörung" legt Hanno Ehrlicher eine "materialreiche Studie" über die Gewaltphantasien europäischer Avantgarden vor, die die Manifestationspraktiken und den Zusammenhang von "künstlerischer und politischer Bewegung" insbesondere beim italienischen Futurismus genauer in den Blick nimmt, lobt Rezensentin Julia Encke. Sie folgt dem Autor voller Zustimmung bei seinen Einwänden gegen die "populären Annahmen" Karl Heinz Bohrers, der die Gewalt der modernen Kunst als "ästhetisches Verfahren" bagatellisieren will. Diesem entgehe die Historizität des untersuchten Materials. Die Manifeste zeigen dagegen, wie Ehrlicher herausarbeite, dass "die Gewalt der Avantgarden sich weder auf eine erhabene Kunstfantasie reduzieren, noch als direkte politische Handlungsvorgabe begreifen lässt." Bei aller Zustimmung bemängelt die Rezensentin, dass Ehrlicher die Quellen nur in den Originalsprachen zitiert - dabei wäre eine Übertragung der bisher nicht übersetzten Passagen ins Deutsche wirklich ein "Verdienst" gewesen.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2001

Hanno Ehrlicher hat nach Einschätzung von Werner Hofmann eine vielseitige und tiefgehende Studie zu "Gewaltfantasien und Manifestationspraktiken europäischer Avantgarden" vorgelegt. Ehrlichers imponierende Quellenanalyse konzentriere sich auf den italienischen Futurismus, die Dadaisten in Zürich, Berlin, London und Spanien sowie die französischen Surrealisten. Hofmann bescheinigt dem "sachlich streng formulierenden" Ehrlicher, die Komplexität des Themas auch theoretisch anspruchsvoll zu durchdringen. Als für die verschiedenen Avantgarden-Gruppen in allen Ländern kennzeichnend bewerte der Autor ihre Entgrenzungsstrategien, die auf eine Neufundierung von Kunst und Gesellschaft zielten. Für Hofmann arbeitet die Studie überzeugend die den Avantgardisten bei aller grundsätzlicher Differenz gemeinsamen Implikationen ihres Freiheitsstrebens heraus. Zum Schluss seiner Rezension verortet Hofmann das für die Avantgardisten charakteristische "Zusammenwirken von revolutionärer politischer Tat, philosophischer Reflexion und künstlerischer Gestaltung" im Kunstbegriff der Frühromantik.

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