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Gustave Flaubert
Bouvard und Pecuchet
Klappentext
Aus dem Französischen übersetzt und annotiert von Hans-Horst Henschen. Zwei kleine Büroangestellte, an ihr Schreibpult gefesselt, sind durch eine unerwartete Erbschaft reich geworden. Aber in diesen armseligen Kopisten steckt ein Ehrgeiz, der vor nichts zurückschreckt. Sie ziehen sich aufs Land zurück und machen sich daran, sämtliche Wissenschaften der Moderne zu durchmustern. Zwar sieht Pecuchet schwarz für die Zukunft der Menschheit; aber dafür malt Bouvard sich den Fortschritt in den rosigsten Farben. Am Ende haben die beiden Maulwürfe alles durchprobiert: Landwirtschaft und Schnapsbrennerei, Chemie und Medizin (samt Ayurveda), Geologie und Geschichte, Archäologie und Literatur, politische Ökonomie und Fitnesstraining, Esoterik und leider auch Theologie. Weit vor Joyce läutet dieses Buch, Flauberts opus magnum aus dem Jahr 1881, unwiderruflich die Moderne ein. Es ist ein satirisches, komisches und rührendes Kompendium ihrer Urgeschichte aus der Sicht zweier "Kellerasseln".
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.09.2003
Wenn es eins gibt, dem Gustave Flaubert den Kampf angesagt hat, dann ist das eindeutig die Dummheit, meint die Rezensentin Katharina Rutschky. In seinem unvollendeten Roman "Bouvard et Pecuchet", der nun erfreulicherweise in deutscher Neuübersetzung vorliegt, entspinne sich diese Flaubertsche Angriffslust um zwei befreundete Büroangestellte ("idealisierte Otto-Normalverbraucher im Zwillingsgewand"), die versuchen, sich anhand von enzyklopädisch angeeignetem Wissen einen Platz in der feineren Welt zu verschaffen, die aber schließlich an ihr anfängliches Schreibpult zurückkehren. Den zwei traditionellen Lesarten des Romans - einerseits als das "langweiligste" unter den Flaubertschen Werken und andererseits als "Meilenstein kulturaristokratischer und also hinreichend ironischer Gesellschaftskritik" - stellt Rutschky eine dritte gegenüber, die Bouvard und Pecuchet als Eröffnung eines breiter angelegten Projektes über allerlei vorgeformtes und klischeehaftes Denken deutet, als "originelles Kompositum", das entwurfsweise im "Wörterbuch der Gemeinplätze" angelegt sei. Diese Lesart, so die Rezensentin, reißt Flaubert endlich das lästige "realistische" Etikett ab, in dem sein Werk noch immer gefangen ist, und zeigt ihn als "neugierigen und experimentierfreudigen Zeitgenosse und Enthusiast in litteris und geborenen Avantgardisten".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2003
Einen "Spiegel unserer Gegenwart" erblickt Rezensent Stefan Zweifel in Gustave Flauberts Roman um die Pariser Biedermänner und "Hirnrissgeburten" Bouvard und Pecuchet, die nach einer Erbschaft ihren Beruf als Kopisten aufgeben, um fortan mit allen möglichen absurden Hobbys gegen ihre Langeweile vorzugehen: wie seinen beiden Antihelden stelle sich uns das Problem der Freizeit und der Entfaltung des Individuums. Zweifel betrachtet das Buch zudem als einen Spiegel für jegliche Leser, mögen sie lachen über die Dämlichkeit Bouvards und Pecuchets, trauern über die Lächerlichkeit des menschlichen Lebens oder den Spießer in sich entdecken. Darüber hinaus sieht er in dem Roman ein "beklemmendes Bild für den Künstler der Moderne", für den Alles schon da gewesen sei, dem nur noch die Wiederholung bleibe. Insgesamt würdigt er Flauberts Roman als "Märchenbuch für Erwachsene", die sich auf ihre Pensionierung oder Arbeitslosigkeit vorbereiten und jede Hemmung, sich lächerlich zu machen, ablegen wollten. Die nun vorliegende Neuübersetzung, obzwar "flüssig" zu lesen, hat Zweifel nicht ganz so überzeugt wie das Buch selbst. Henschen wage es nicht, das Fremde von Flauberts Französisch ins Deutsche zu übersetzen - was Zweifel andererseits aber auch gar nicht für unbedingt nötig hält: die Abenteuer der beiden Romanhelden wirkten schon "befremdlich genug".
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