Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Schwedischen von Günter Dallmann und Helen Oplatka. Hjalmar Söderbergs wunderbaren, grausamen, leicht hingetuschten, lakonischen Erzählungen und sein berühmter Roman Doktor Glas haben das Publikum skandalisiert, dann wurden sie vergessen. Unsittlichkeit, Décadence, Zynismus, hat man ihm vorgeworfen - natürlich ganz zu Unrecht. Aber merkwürdig genug - ein Jahrhundert später kommen uns seine Figuren ziemlich bekannt vor. Nur Kostüm und Milieu haben sich verändert. Seine Charaktere aber scheinen eine gespenstische Wiederkehr zu feiern. Es sind Spieler, Bankrotteure, Spekulanten und Selbstmörder. Der rücksichtslose Individualismus, der sie in die Isolation treibt, ihre labilen Beziehungen, ihre desillusionierte Attitüde - das alles erinnert nur allzusehr an unsere verzweifelte Spaßgesellschaft. "Ich zapple, wie ich will", sagt einer von Söderbergs Helden. "Es gibt nichts Lustigeres als zu zappeln."
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Obwohl der Name Schnitzler keinmal fällt in der Besprechung Heinrich Deterings, der stattdessen Thomas Mann und Hofmannsthal ins Spiel bringt, stimmen die Ingredienzen, die Detering für die Erzählungen und den Roman des schwedischen Schriftstellers Söderberg benennt: in ihnen verbindet sich `kühle Eleganz` und `beißende` Gesellschaftskritik zu einem desillusionierten Portrait Stockholms am Ende des 19. Jahrhunderts. Fin de Siècle-Stimmung, die bürgerlich-mondäne Welt des Ennui, in der die Menschen `etwas Form und Stil für ihr Unglück` suchen, wie Detering eine der Figuren aus Söderbergs Erzählungen sagen lässt. Detering macht eine interessante Entdeckung: den Roman `Doktor Glas` findet er beim Wiederlesen etwas angestaubt, schließlich sei der an Freud geschulte analytische Blick seither einstudiert; die kürzeren, vor allem späten Erzählungen haben seiner Meinung nach jedoch an `Lebendigkeit eher gewonnen`, über ihnen liege der `humoristische Glanz eines Spätwerks`.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2000
Um die Liebe kreisten fast alle hier versammelten Texte, läßt uns der Kritiker mit dem Kürzel "c. hr." wissen. Und präzisiert: nicht um die "sinnliche, lebensbejahende, sondern die problembehaftete Seite", deren Ursachen in den Erzählungen scharfsinnig analysiert würden. Der Rezensent taucht kurz in die Stockholmer Welt um 1900 ein, als dortige Bürger "noch Zeit hatten, morgens auszureiten und mit weiblichen Bekannten ein paar muntere Worte zu wechseln" und "von Verehrern geschenkte Veilchenbuketts am Dekolleté befestigt wurden". Doch vermisst man in diesen kurzen Impressionen des Rezensenten schmerzlich die beschriebene scharfsinnige Analyse Söderbergs. "Illusionslos und düster", findet der Rezensent, sei Söderbergs Welt und wir finden, Stockholmer Bürger um 1900 müßte man sein.
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