Mit einem Nachwort von Reinhard Andress. Die Verhältnisse im Hamburg der 1930er Jahre zwingen die jüdische Journalistin Sylvia mit ihrer Tochter Miriam auszuwandern. Der Verlust der Heimat und die damit verbundenen Sorgen und Nöte stehen im Mittelpunkt dieses Romans.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2004
Hannelore Schlaffer hat den Roman "Der Schmelztiegel" von Marte Brill als autobiografischen Bericht gelesen, in dem die Autorin von ihren eigenen Erfahrungen im brasilianischen Exil erzählt. In seiner an Tagebucheintragungen erinnernden Form genügt der Roman "literarischen Ansprüchen" nicht, gibt die Rezensentin zu. Doch als "Dokument" authentischer Lebenserfahrung findet Schlaffer das Buch sehr erhellend und in der Summe der erzählten Begebenheiten entsteht ihrer Meinung nach eine ganze "Typologie des Exilanten" mit seinen Nöten und Hoffnungen. Ein bisschen stört die Rezensentin die "politische Naivität" Brills, die sich mit den politischen Gegebenheiten ihres Exillandes kaum auseinandersetzt. Doch ist es der Rezensentin wichtig, dass hier nicht einmal mehr ein von "Politik durchtränktes" Werk der "Vergangenheitsbewältigung" vorliegt, sondern ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht, die der "authentischen Lebenserfahrung einer Jüdin" zur Zeit des Nationalsozialismus eine Stimme verleiht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.07.2003
Das brasilianische Exil von Flüchtlingen des Dritten Reichs in den dreißiger Jahren beschreibt die Autorin anhand der Lebensläufe unterschiedlicher Emigranten sehr lebensnah, erklärt Paul Michael Lützeler. Ohne Pathos erzählt das Buch vom "Mikrokosmos des täglichen Überlebenskampfes", lobt er. So erfahre man auf drei Erzählebenen eine Menge über mögliche Verhaltensweisen im Exil, in diesem Fall dem brasilianischen Schmelztiegel Sao Paulo. Neben Informationen über die Kultur des Gastlandes, enthält das Buch viel Wissenswertes über die Geschichte des Judentums und über die Situation der Emigranten, die durch immer neue Schreckensmeldungen mit ihrer Lage konfrontiert wurden, meint Lützeler. Ihn hat dieses "packende Werk" bereits auf den ersten Seiten für sich eingenommen.
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