Herausgegeben von Heinrich Detering, Eckhardt Heftrich, Hermann Kurzke, Terence J. Reed, Thomas Sprecher, Hans R. Vaget, Ruprecht Wimmer in Zusammenarbeit mit dem Thomas Mann-Archiv. Thomas Manns essayistischen Arbeiten aus den Jahren 1914-1926 dokumentieren eine entscheidende Phase im Schaffen und in der Biografie des Autors. Den zustimmenden Reaktionen auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs folgt zuerst eine nachhaltige Verteidigung der wilhelminischen Gesellschaft und der deutschen Kultur gegenüber der westlichen Zivilisation. Erst 1921 in der Geburtstagsrede auf Gerhart Hauptmann und in dem daraus hervorgehenden Essay 'Von deutscher Republik' erfolgt das öffentliche Bekenntnis zur Demokratie. Die Essayistik dieser Jahre ist eng verknüpft mit den gleichzeitig entstehenden Großwerken, den 'Betrachtungen eines Unpolitischen' und dem 'Zauberberg'. Die Essay-Bände dieser Edition enthalten zum ersten Mal sämtliche Texte, die der Autor zur Veröffentlichung bestimmt hat. In Essays II finden sich u.a. 'Gedanken im Kriege', 'Friedrich und die große Koalition', 'Goethe und Tolstoi', 'Rettet die Demokratie' und 'Pariser Rechenschaft'. Der reichhaltige Kommentar stellt die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte dieser Texte dar und trägt mit detaillerten Sachinformationen zum ihrem tieferen Verständnis bei.
Den 1.250 Seiten dicken Essayband lobt Rolf Vollmann trotz der "Namen über Namen, Charakteristiken, Anekdoten, Referate der Reden", mit denen Thomas Mann sein Vergnügen "an sich selber" zu Papier bringt. Nach anfänglichem Staunen über die "unverhüllt eitlen" Beschreibungen lässt sich Vollmann durch die Prosa wie von einer "sanften Strömung" mitnehmen, "stundenlang, ganz ruhig". Denn der Autor ist "wirklich aufmerksam, wirklich klug", wie der Rezensent findet, und so lässt er sich gerne von ihm durch die literarische Landschaft "wie über einen schönen See" führen. Die Kommentare des Herausgebers Hermann Kurzke allerdings, mit 1000 Seiten fast ebenso umfangreich wie der Textband selbst, sind ihm bereits zu viel des Guten. Denn die Texte "haben das wirklich nicht mehr nötig", sagt der Rezensent.
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