Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger. Steven spricht mit der Wand, mit einem Photo und mit sich selbst. Er erzählt von einem Sommerlager, das acht Jahre zurückliegt, von Jeremy, in den er verliebt war, und schließlich von jener Nacht. Aude, die Leiterin der Ferienkolonie, in der das Verbrechen geschah, lebt heute mit Stevens älteren Bruder Baptiste zusammen; sie will vergessen. Baptiste dagegen versucht immer noch seinen Bruder zu verstehen und sich vor sich selbst zu retten ...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003
Sozialarbeiterische Anbiederung liegt dem Autor fern, und dafür ist ihm Rezensentin Maike Albath dankbar. Denn in diesem Roman geht es um einen Mord an einem Jugendlichen, verübt von einem Kameraden, der einen anderen Kameraden in das Verbrechen hineinzieht und diesen dazu anstiftet, die Leiche zu verstümmeln. Etwa zwei Drittel des Buches, sagt Albath, weiß der Leser nicht, was passiert ist, aber von Anfang an ahnt er, dass etwas Schlimmes geschehen ist. Es sind die Stimmen der Kinder und Jugendlichem sowie der Heimleiterin, die Albath von Anfang an gepackt haben, die ihren Teil zur Geschichte beitragen, vieles nur andeuten oder im Unklaren lassen. Albath findet es großartig, wie es Honore gelingt, das Thema nicht reißerisch zu verarbeiten, sondern den Charakteren ihre armselige Würde zu lassen und dabei weder die Monstrosität der Tat noch ihre Banalität zu verschweigen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2003
Martin Krumbholz ist von diesem Roman über die Liebe zwischen zwei 11-jährigen Jungen und den Mord an einem dritten im Ferienlager, etwas enttäuscht. Er gesteht dem französischen Autor zwar zu, dass er den "homophilen Subtext" sehr behutsam erzählt. Doch bedauert der Rezensent, dass sich Christophe Honore nicht enthalten konnte, aus der Geschichte einen "Thrillers" zu machen. Viele Passagen des Romans wirken auf unseren Rezensenten ziemlich effekthascherisch. Ihn zumindest hat das Geschehen ziemlich "kalt" gelassen. Er vermisst den "Wärmestrom des Erzählers". Für Krumbholz ist das Buch "geschickt gemacht, kühl konstruiert, wirkungsvoll ausgedacht", doch gelinge es ihm nicht, beim Leser so etwas wie "Empathie" für die Figuren zu evozieren.
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