Christoph Amend

Morgen tanzt die ganze Welt

Die Jungen, die Alten, der Krieg
Cover: Morgen tanzt die ganze Welt
Karl Blessing Verlag, München 2003
ISBN 9783896671998
Gebunden, 224 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Am Anfang seiner Recherche fühlt es sich für den Autor an wie eine Reise in ein fremdes Land. Als ob da noch ein zweites Deutschland existiere, das auf den ersten Blick nichts mit der Gesellschaft von heute zu tun hat, ein Land, in dem von Ostfronten, von Fahnenjunkern und Pimpfen die Rede ist. Der 28-jährige Christoph Amend hat sich aufgemacht, die Großväter der Bundesrepublik zu treffen: einen früheren Bundespräsidenten, einen renommierten Hitler-Biografen, mehrere Politiker, Kultur- und Mediengrößen. Ihnen allen ist gemeinsam: Sie waren Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Und sie alle erlebten in ihrer Jugend eine Zeitenwende, wie sie auch Amends Generation jetzt gerade durchmachen muss. Die goldenen Neunzigerjahre sind vorbei, viele sind Opfer der Wirtschaftskrise geworden, und alle fragen sich, was die Zukunft bringen wird...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003

Mit Interesse gelesen hat Susanne Katzorke dieses Buch, in dem der 29-jährige Autor berühmte Persönlichkeiten, die als Soldaten im Zweiten Weltkrieg waren, interviewt und parallel dazu seine eigene Generation porträtiert. Obwohl er seine Gesprächspartner, darunter Richard von Weizsäcker, Egon Bahr und Hellmuth Karasek, nicht mit kritischen Fragen behelligt, gelingt es dem Autor nach Meinung der Rezensentin, ein "faszinierend persönliches Bild" dieser Männer zu zeichnen, das Verständnis und Neugier weckt. Er habe einen "scharfen Blick" für ihre "Stärken und Schwächen", stelle sie aber nirgends "bloß", so Katzorke angenehm berührt. Amends eigene Lebenswelt findet sie allerdings weniger überzeugend dargestellt, und so beurteilt sie zumindest den Versuch eines Doppelporträts zweier Generationen als misslungen. Dennoch, so die Rezensentin angetan, wird das Vergnügen an der Lektüre insgesamt dadurch nicht "gemindert".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.03.2003

Rezensent Patrik Schwarz zieht seinen Hut vor Christoph Amend, wage er es doch, sich mit dem Zweiten Weltkrieg auf ganz neuartige Art und Weise zu befassen. "Enkel trifft Opa", so bringt der Rezensent Amends Konzept auf den Punkt und findet diese äußere Form durch Gespräche mit prominenten Kriegsteilnehmern, darunter Egon Bahr und der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter, gelungen umgesetzt. Er stellt allerdings fest: "Nicht was die Alten erzählen, ist neu, sondern wie der Enkel es wahrnimmt." Diese Wahrnehmung wird auch durch den entspannten Umgang des ehemaligen "Jetzt"-Autors mit Elementen des Pop-Romans und des Dokudramas unterstützt, erläutert Schwarz. Doch trotz der innovativen Herangehensweise bleibt laut Rezensent auch hier nur die Erkenntnis, dass sich die Erfahrungen des Krieges ab einem gewissen Punkt nicht mehr artikulieren lassen. Trotzdem scheinen für Schwarz nach der Lektüre dieses ungewöhnlichen Buches dieser "alte, liegen gebliebene Krieg" und vor allem die deutsche Nachkriegsgesellschaft greifbarer geworden sein.

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Botho Strauß. Bleiben und Blicken. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Botho Strauß: Bleiben und Blicken
In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…