Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. In "Philip und die anderen", Cees Nootebooms vor gut fünfzig Jahren geschriebener Erstling, erzählt der Autor die Geschichte eines jungen Mannes, der, einem traumhaften chinesischen Mädchen auf der Spur, quer durch Europa trampt, von Bekanntschaft zu Bekanntschaft eilt und in den Jugendherbergen und auf den Straßen seine "Schule des Lebens" besucht.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2003
Dirk Schümer freut sich über diese Neuauflage und überschreibt seine Besprechung mit "Per Anhalter durch die Seele". Gemeint ist eine Fahrt durch Europa und hin zum eigenen Ich, unternommen von einem spätpubertären und melancholischen Erzähler, in dem Schümer das Alter Ego des jungen Cees Nooteboom vermutet. "Philip und die anderen" ist Nootebooms Debütroman und erregte bei seinem Erscheinen 1958 großes Aufsehen in den Niederlanden, da er Schümer zufolge "den romantischen Träumer ins berechenbare Land der Polder und Deiche einführte". In Deutschland erschien er unter dem Titel "Das Paradies ist nebenan" in einer offenbar etwas "unbeholfenen" Übersetzung, also ließ der Verlag die "gewohnt stilsichere" Nooteboom-Fachkraft Helga van Beuningen eine neue anfertigen. Und die gefällt Schümer richtig gut, auch wenn er die jugendlich-schwärmerische und verfrüht "altersmüde" Weltsicht von Erzähler und Autor durchschaut - sie seien nämlich in der "Phase der Suche nach Liebe mit dem keimenden Wissen um die Beliebigkeit und die Endlichkeit der Liebe" beschrieben. Doch trotz des gelegentlichen "Kunstmärchentons" a la Saint-Exupery sei dieser "jugendliche Geniestreich" immer noch reichlich erfrischend.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.04.2003
"Leicht wie die Luft und schwer wie der Regen, flüchtig wie ein Gedanke und schmerzlich wie eine Erinnerung - so liest sich Cees Notebooms wunderbarer Roman", jubelt Rezensent Ulrich Greiner über das vor fast fünfzig Jahren entstandene Buch ("ein Lichtblick in diesem literarisch matten Frühjahr"), das jetzt in Neuübersetzung und erstmals unter seinem richtigen Titel in deutscher Sprache erscheint. "Man liest, man staunt und wird verzaubert wie von einem großen Traum", schreibt Greiner über diese "Liebesgeschichte ohne Geliebte" und "Reise ohne Ziel" und staunt, "mit welcher Grazie" dieser damals kaum erwachsene Schriftsteller über die "Abgründe des Tiefsinns und des Kitsches einfach hinwegschwebt", mit welcher "traumwandlerischen Sicherheit er vom Fantastischen ins Realistische wechselt und wieder zurück", und wie er die "Sprachmelodie ins Poetisch-Üppige treibt, um sie dann wieder lakonisch werden zu lassen". Mit Protagonist Philip ist der begeisterte Rezensent durch den Roman gereist, hat ihn mit Jacqueline in Arles tanzen, mit einem alten Mann "durch ein totes, unheimliches Land" gehen und am Ende mit einem chinesischen Mädchen nach Stockholm trampen sehen. Für den Rezensenten lebt dieser "Sehnsuchtsgesang ohne Erfüllung" aus dem Prinzip des unbewegten Bewegers, der den Tönen nachhört, "die er selbst erzeugt" hat. Dieser Roman, in dessen poetischen Szenarios Greiner mit seiner Kritik schwelgt, besitzt für unseren Rezensenten die Altersweisheit eines Kindes, "das noch nicht viel weiß, aber schon alles versteht". Auch Rüdiger Safranskis Nachwort wird als schön gelobt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003
Peter Swanborn hält den 1958 erstmals veröffentlichten und nun aus Anlass von Cees Nootebooms siebzigsten Geburtstag neu übersetzten Roman für "bemerkenswert". Dies nicht nur wegen seiner "hochromantischen Qualitäten", so der Rezensent, sondern weil die Hauptfigur den Protagonisten von Nootebooms späteren Büchern so nahe ist. Der Rezensent gibt die Meinung Rüdiger Safranskis wieder, der behauptet hat, das "romantische Epigonentum" dieses Romans sei ironisch gebrochen, weil Nooteboom erkannt habe, dass sich das "romantische Geheimnis nicht finden, sondern nur erfinden lässt". Wenn Swanborn an den späteren Romanen des niederländischen Autors stört, dass die Hauptfiguren stets literarische Klassiker zitieren und sich damit einer snobistischen "Selbstvergrößerung" hingeben, gefällt ihm an diesem Buch besonders, dass davon nichts zu entdecken ist - auch wenn es insgesamt ein auf "charmante Weise stümperhaftes Buch" ist, wie der Rezensent nachsichtig urteilt.
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