Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Früh schon wird ihm bewusst, wie er leben will: "nicht vorwärts, auf den Schienen der irdischen Zeit, die zum Tod führten ... sondern außerhalb dieser Zeit, auf einem Nebengleis ... ein Leben nicht in die Länge, sondern in die Breite". Diese Maxime ist die Reaktion auf das ihn einengende, von einer Straße, einer Eisenbahnlinie und einem Kanal gebildete Dreieck, in dem er aufwächst. Dort lauern in der Tat vielfältigste Gefahren: Da ist zunächst der Vater, der nach seinen Sauftouren die gesamte Familie tyrannisiert. Da ist der gleichaltrige, gewalttätige Flix, mit dem es Heldentaten zu vollbringen gilt. Und da sind die Verwandtschaft und die Nachbarn, die kleinen Leute und die großen Angeber... A.F.Th. van der Heijden erzählt in "Das Gefahrendreieck" die traurig-komischen Stationen, die Albert Egberts auf dem Weg vom kleinen Jungen Mitte der fünfziger Jahre bis zum Studenten absolviert.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.06.2000
Martin Lüdke lobt A. F. Th. van der Heijdens Roman, der im Rahmen eines bisher sieben Bände umfassenden Zyklus mit dem Titel "Die Zahnlose Zeit" erschienen ist, als eine gelungene Beschreibung des holländischen Kleinbürgertums der Nachkriegszeit. Van der Heijdens Roman beschreibt aus der Sicht des Jungen Albert Egberts die Wirrungen einer Jugend und entwirft eine Milieustudie, bei der die Protagonisten "keine Chance haben, von ihrer eigenen Vergangenheit loszukommen". Sie sind in eine Welt der Knappheit hineingeboren und müssen sich nun in einer Gesellschaft des Überflusses zurechtfinden. Lüdke findet in den Beschreibungen van der Heijdens Parallelen zu der "Erlebnisgesellschaft", die der Soziologe Gehard Schulze definiert hat. Den Autor rühmt der Rezensent als einen hierzulande noch wenig bekannten, dennoch aber wichtigen, vielleicht "den bedeutendsten der holländischen Schriftsteller des späten 20. Jahrhunderts" und stellt ihn auf eine Stufe mit Cees Nooteboom und Harry Mulisch. Van der Heijdens Verdienst sei es, den Entwicklungsroman innerhalb seines eigenen Rahmens an sein Ende zu führen und so Raum für Neues zu schaffen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2000
Mit großer Einfühlung und Begeisterung bespricht Hermann Wallmann diesen Roman des Niederländers, der hiermit einen weiteren, in sich abgeschlossenen Band des auf vier Bücher angelegten Zyklus` "Die zahnlose Zeit" vorgelegt hat. Es geht darin um einen jungen Mann, der mit größter Akribie sein Leben aufzeichnet, die Träume und Traumen ausgelöst von einem Alkoholiker-Vater, den Alltag in einem holländischen Provinznest, die Sexualnot des Jungen und die Geburt seiner poetischen Begabung aus der Beobachtung eines stotternden Onkels. Um den "an Proust und Nabokov geschulten" Erzähler in seiner Besonderheit vorzuführen, zitiert Wallmann mehrmals ausführlich kleine Vignetten der Beschreibung, die in der Tat belegen, was der Rezensent behauptet: einen "Realismus" nämlich, der "seine Magie aus der panischen Nähe zum Alltag gewinnt". Merkwürdig, dass Wallmann kein Lobeswort für die Übersetzerin Helga von Beuningen findet, deren Kunst die hohe Qualität der deutschen Fassung dieses Romans doch wohl zu verdanken ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2000
In einer etwas chaotischen Besprechung versucht Dorothea Dieckmann den Lesern van der Heijdens "Gefahrendreick" nahezubringen. Was soll man zum Beispiel von diesem Satz halten: "Die Poesie verwandelt den aufs Erwachsensein eingeordneten Zeitpfeil in eine zielgehemmte Kurvenlinie"? Dennoch macht die Rezensentin glaubhaft, dass es sich hier um einen wichtigen Roman in einem Zyklus von Proustschen Ausmaßen handelt. Sie kritisiert die "chaotische Editionspraxis" des Suhrkamp-Verlags, der van der Heijdens Romane nicht in der richtigen Reihenfolge herausbringt, obwohl sie inhaltlich zusammenhängen. Im "Gefahrendreieck", so Dieckmann, begibt sich Albert, einer von van der Heijdens Helden, zurück in die Kindheit, in eine grausame Idylle "von Jaucheduft und Schweineschlachten", in die ersten Lieben und das Studium. Dieckmann begeistert sich an der Wirrnis der Episoden und Erinnerungen, die "doch immer gelöst" seien "in der nüchternen Klarheit" des Stils. Helga van Beuningens Übersetzung attestiert Dieckmann Stilsicherheit.
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