Mit Anmerkungen, Worterklärungen und Zeittafel. Nicht zu allen Zeiten ist Grimmelshausens großer Schelmenroman als Bestandteil des klassichen Kanons deutscher Literatur und deutschen Bildungsguts anerkannt worden. 1876 debattierte der preußische Landtag über diese - so der Redner - "Zusammenstellung von Zoten und Unlauterkeiten aus dem wüsten Leben eines Landknechts des Dreißigjährigen Kriegs", über "Irrfahrten, Liebesabenteuer, Diebstahl, Unzucht, Mord, Bruch des Fahneneids etc." In seiner Empörung über dergleichen Dinge in einem Roman hat der Abgeordnete ein gut Teil dessen getroffen, was Grimmelshausen mit satirischem Blick erfaßt, mit Sinn fürs Groteske schildert, aber auch mit Schärfe geißelt: die Realität einer Zeit, in der die Welt verwildert schien und Katastrophenangst ein Grundgefühl des Menschen war, einer Zeit voller Krisen und Bedrohungen.
Rolf Michaelis kann ebenso wie all seine kritischen Vorgänger das Werk nur loben. Brentano bezeichnete den "Simplicissimus" als "göttlich", Thomas Mann dagegen als "bunt, wild, roh, amüsant, ..., kochend von Leben". Michaelis kann es kaum glauben, "wie jung und lebenskräftig" das über 400 Jahre alte Buch geblieben ist, er bescheinigt Grimmelshausen eine bis "heute überzeugende Sachlichkeit", in der er das Wüten des Dreißigjährigen Krieges schildert. Mitten im Krieg geboren, lebte Grimmelshausen ein abenteuerliches Leben, in seinem Buch schreibt er über "Folter ... Totschlag, Vergewaltigung, Brandstiftung", findet aber auch die Zeilen, um "ein utopisches Märchen" von einem "friedlichen Deutschland" und einem "besseren Leben" zu träumen, schreibt der Rezensent und verspricht dem Leser eine fesselnde Lektüre.
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