Aus dem Englischen von Christoph Münz. Hitlers Euthanasieprogramm fielen bis 1945 mehrere Hunderttausend Menschen zum Opfer. Burleigh zeichnet ihr Schicksal mit großem Einfühlungsvermögen nach und gibt den Opfern ein Gesicht. Er porträtiert auch die Mörder, analysiert das System der Euthanasie und die Propagandafilme, die die Nazis zur Rechtfertigung dieses Mordprogramms produziert haben. Der Autor schildert auch die Vorgeschichte des Euthanasieprogramms und gibt am Ende einen Ausblick auf die heutige Euthanasie-Debatte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2003
Michael Burleighs Studie über Euthanasie in Deutschland von 1900-1945 unterscheidet sich nach Ansicht von Rezensent Robert Jütte von anderen Arbeiten zum Thema vor allem durch die konsequente Einbeziehung der Patientenperspektive und der Handlungsmotive der unteren Chargen (Krankenwärter, kleine Beamte). Nach einer Darstellung die Frühgeschichte eugenischer Ideen folgt im Hauptteil eine Schilderung der Tötungsmaschinerie in all ihren Verzweigungen, berichtet Jütte. Dabei beschreibe Burleigh auch die Reaktionen in der Bevölkerung auf die kaum geheimzuhaltende "Aktion T-4". Dem folgt nach Auskunft Jüttes ein Exkurs über die Filmpropaganda, mit der die Nationalsozialisten die Vernichtung "unwerten Lebens" zu rechtfertigen versuchten, und ein Kapitel über "Euthanasie und Judenvernichtung". Im letzten Abschnitt befasse sich Burleigh mit der strafrechtlichen und der historiographischen Analyse des an geistig und körperlich behinderten Menschen begangenen Massenmordes und gehe zudem auf die aktuelle Debatte um die provozierenden Thesen des australischen Medizinethikers Peter Singer ein.
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