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zuletzt aktualisiert 09.09.2010, 09.04 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Gerhard Seyfried

Herero

Roman mit historischen Fotografien und Karten

Cover: Herero

Eichborn Verlag, Berlin 2003
ISBN-10 382180873X
ISBN-13 9783821808734
Gebunden, 600 Seiten, 29,90 EUR

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Klappentext

Auf den Stoff der Herero wurde Seyfried nach einer Namibiareise für das Goethe-Institut aufmerksam. Er hat mehrere Jahre über das Leben der Eingeborenen und der Deutschen in den Kolonien recherchiert. Vor den Hintergrund eines der dunkelsten Kapitel deutscher Kolonialgeschichte erzählt Gerhard Seyfrieds Herero von deutschen Siedlern, deutschen Generälen und aufständischen Hereros in den Weiten Afrikas.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.04.2003

Hiermit hat sich Gerhard Seyfried einen Kindheitstraum erfüllt und ein Buch geschrieben, "das er als Zehnjähriger gern gelesen hätte". Die Gründe seines Scheiterns kann der Leser dann auch gleich im Werk selbst nachlesen, empfiehlt Sonja Zekri. "Schockierend" war für die Rezensentin vor allem, dass ein landesweit bekannter "Comic-Zeichner" ein "konsequent humorfreies Buch" geschrieben hat, dessen Erzählung "ungefedert dahinstolpert". Thema des Buches ist ein sehr sensibles Kapitel deutscher Kolonialgeschichte, umso enttäuschender ist es für Sonja Zekri, dass dieser historische Konflikt nur am Rande des Buches stattfindet, dahingegen die "Schilderung der Afrikaner sich über das Reflexionsniveau von 'Im Winde verweht' selten erhebt", Seyfried sehr verschwenderisch das Wort "Kaffer" benutze und sich in "akribischen Erläuterungen" technischer Geräte verliere.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2003

Nicht überzeugend fand Rezensent Tobias Döring diesen Roman über ein finsteres Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte, mit dem er den Cartoonisten Seyfried nun eine Wendung zum historischen Erzähler nehmen sah. Zwar fand er die Geschichte "minuziös recherchiert". Auch manche der historischen Miniaturen hat er mit "Interesse und Belustigung" gelesen. Immer deutlicher aber schälte sich für den Rezensenten die Erkenntnis heraus, dass "der geniale Cartoonist Seyfried leider ein ziemlich unbegnadeter Erzähler ist", der ungebrochenen Mitteilungsdrang mit Anschaulichkeit verwechsele. Zunächst sei die Geschichte eines "der schrecklichsten Feldzüge der deutschen Militärgeschichte" im Tagebuchstil aus der Sicht eines Landvermessers erzählt, der als Soldat unfreiwillig daran teilnehmen muss. Als der Roman dann versucht, auch "Sprache und Sicht" der verfolgten afrikanischen Hereros einzufangen, sieht der Rezensent die Nähe zur "pausbäckigen Lagerfeuerromantik von Karl-May-Romanen" fatal werden und Seyfried alte Klischees unverdrossen fortschreiben. Schließlich gerinnt seiner Ansicht nach die "große und gerechte Absicht" zu "kleinteiligen Modellbauwelten aus dem Kolonialwarenkatalog", in denen der Rezensent "historische Schlachten wie mit Zinnfiguren" nachgespielt fand. Doch wenn sich der Pulverdampf verzogen habe, könne man entdecken, dass es in Seyfrieds "Wüstenkuckucksheim" erschreckend bieder und gemütlich sei.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.02.2003

Auch wenn Gerhard Seyfried als "Schriftsteller-Debütant noch etwas hilflos mit dem literarischen Werkzeug hantiert" - die Rezensentin Susanne Ostwald ist trotzdem recht angetan von dem spannenden Roman, der sich vor dem Hintergrund einer akribischen Recherche mit dem Herero-Aufstand in Deutsch-Südwest vor knapp hundert Jahren beschäftigt. Ihr gefällt, dass Seyfried sich das Moralisieren verkneift und sich statt "obsoleter Verurteilungen" vor allem auf das Schicksal seiner Romanfiguren konzentriert. Von seiner Recherchearbeit und deren Umsetzung in seinem Roman ist die Rezensentin richtig beeindruckt: "Virtuos verwebt er historische Ereignisse, Figuren und Dokumente mit Fiktivem". Ab und an entdeckt sie sogar cartoonhafte Erzählelemente bei Seyfried, der sich bisher vor allem als Politcomiczeichner hervor getan hat, so etwa, indem er manche Charaktere durch die Verwendung bestimmter Mundarten karikiert.

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