Susanne Schattenberg

Stalins Ingenieure

Lebenswelten zwischen Technik und Terror in den 1930er Jahren. Diss.
Cover: Stalins Ingenieure
Oldenbourg Verlag, München 2002
ISBN 9783486566789
Gebunden, 457 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Der Ingenieur war der "neue Mensch", der im Idealbild der Bolschewiki die Sowjetunion bevölkern sollte. Er sollte nicht nur das Land industrialisieren, sondern ein neues Leben und Arbeiten schaffen. Schattenberg widmet sich der ersten Generation sowjetischer Ingenieure, die ausgebildet wurde, um in den dreißiger Jahren das Land aufzubauen. Auf der Basis von Memoiren erforscht sie, in welchen Kategorien die Ingenieure selbst ihr Leben wahrnahmen. Stimmte es mit den Vorgaben der Propaganda überein? Wo waren die Abweichungen zu groß? Sie analysiert, warum sich die Sprösslinge der alten, verfolgten Elite genauso wie die Arbeiterkinder für die Industrialisierung begeisterten, welche Ansprüche sie an ihre Leben stellten und wie es ihnen schließlich gelang, den selbst erfahrenen Terror so zu verarbeiteten, dass sie weiterhin an "ihre" Sowjetunion glauben konnten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.02.2003

Dirk van Laak ist sehr angetan von dieser Studie über die Ingenieure im Stalinismus. Er lobt die Autorin für ihre "eindringliche" Schilderung des Idealismus, der die Nachwuchsingenieure unter Stalin antrieb, um das technische Defizit der Sowjetunion zu überwinden. Dabei geht die Untersuchung für den Rezensenten über den Rahmen der Sowjetunion hinaus, da die Ingenieure, wie er ausführt, für die "gewaltige Dynamik alltäglicher Lebensverhältnisse" auch anderswo eine maßgebliche Rolle spielten. Dennoch hatten die Ingenieure in der Sowjetunion durchaus eine "Sonderrolle", räumt Van Laak ein, und er lobt die Autorin dafür, in ihrem Buch herauszuarbeiten, dass besonders dieser Berufsstand unter dem "Primat des Politischen" stand und die "Effizienz" ihrer Tätigkeiten zunehmend in den Hintergrund trat. Der Rezensent ist beeindruckt von der "großartigen Materialfülle", die Schattenberg in ihrem Buch verarbeitet hat, wobei ihm besonders gefällt, dass sie auch Filme, Autobiografien und Interviews herangezogen und "pointiert gedeutet" hat. Dass die Lektüre "weitgehend ermüdungsfrei" war, weiß der Rezensent auch zu schätzen.

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