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zuletzt aktualisiert 18.03.2010, 20.18 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Luther Blissett

Q

Roman

Cover: Q

Piper Verlag, München 2002
ISBN-10 349204218X
ISBN-13 9783492042185
Gebunden, 798 Seiten, 13,00 EUR

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Klappentext

Aus dem Italienischen von Ulrich Hartmann. Raffiniert umspannt dieser historische Thriller vierzig Jahre im 16. Jahrhundert - vierzig Jahre, die die Welt veränderten. Deutschland ist im Umbruch: Luther und die Wiedertäufer, päpstliche Spione und aufständische Bauern kämpfen um Macht und Vorherrschaft. Vor diesem Hintergrund stehen sich zwei erbitterte Feinde gegenüber: Ein junger Theologiestudent, Anführer der Häretiker, und sein unsichtbarer Feind - Q, der Mann ohne Gesicht, der Statthalter des Papstes, der Verräter ohne Namen. Seine Mission: den Geist der Revolte auszulöschen. Doch die Rebellen kämpfen mit einer unschlagbaren Waffe: der Macht des Wortes.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2003

Andreas Kilbs Urteil über den historischen Roman, der in der Zeit der Reformation spielt, ist zwiespältig. Er charakterisiert das Buch, das in Italien ein Bestseller ist, als "Schlüsseltext", was seiner Ansicht nach seine "Stärke" aber auch seine "Schwäche" ausmacht. Das italienische Autorenkollektiv, das durch eine Vielzahl an provokanten Kunstaktionen und Skandalen bekannt geworden ist, orientiert sich nach Einschätzung Kilbs mit seinem Roman eher an Thrillern als am Genre des historischen Romans, und das findet der Rezensent auch durchaus unterhaltsam, auch wenn er bedauert, dass das Geschehen, immer wenn es gerade sehr spannend wird, abgebrochen und an anderer Stelle weitergeführt werde. Das liegt nach Meinung des Rezensenten nicht zuletzt am kollektiven Schreibprozess des Autorenteams. Außerdem stört den Rezensenten mit soviel Faktenwissen konfrontiert Zu werden, dass die Lebendigkeit der Geschichte leidet. Ihm fehlt es an "atmosphärischen Wahrheiten" und sprechenden Details und so bleibt ihm manches allzu "papieren". Trotzdem, so das Gesamturteil, vermittelt der Roman eine "Ahnung vom epochalen Drama jener Zeit" und das ist "mehr" als die meisten historischen Romane zu bieten haben.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2003

Maike Albath nutzt die Besprechung des Romans, um ausgiebig den Verlag zu würdigen, in dessen der "Popkultur" verpflichteten Reihe "Stile libero" das Buch publiziert wurde. Für die Rezensentin passt der Roman, der von einem vierköpfigen anonymen Autorenkollektiv verfasst wurde, perfekt in das Programm, nicht zuletzt, weil die Autoren, die bereits vor Erscheinen des Buches im Internet präsent waren, sich eine gewisse "Anarcho-Haltung und ein Sponti-Image" zugelegt und damit "Furore" gemacht haben, wie Albath weiß. Die Geschichte, in der vom bewegten Leben eines Zeitgenossen Martin Luthers erzählt wird, beschreibt die Rezensentin zunächst als "800-seitige Schwarte", in der sich Abenteuer- und Historienroman zu einer "locker dahinplätschernden Mischung" verbinden. Sie lobt insbesondere die Einführung einer Gegenfigur zum Helden, den päpstlichen Spitzel Q, durch dessen Berichte, die er an seinen Kardinal schickt, die Handlung aufgelockert wird. Das trägt nicht wenig zur "Spannung" des Romans bei, wie die Rezensentin betont. Insgesamt gefällt ihr das Buch in seiner "farbenprächtigen", mit einer "erwartbaren Prise Erotik" versetzten Erzählweise, obwohl sie hervorhebt, dass es sich bei dem großen Verkaufserfolg des Buches weniger um ein literarisches Ereignis als um ein "mediales" handelt, da sich das Autorenteam äußerst geschickt zu präsentieren wisse.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.01.2003

Jörg Metelmann zeigt sich recht fasziniert von dem Werk des italienischen Autorenkollektivs Luther Blisset, in dem es um die Reformationsbewegungen am Ende des Mittelalters geht und das in Italien zu einem großen Überraschungserfolg geworden ist. In seiner Rezension geht es - mehr noch als um das Buch - vor allem um die Autorengruppe, die vor diesem Roman vor allem durch "Happenings und Medienfakes" von sich reden machte. Doch auch vom dem Buch scheint der Rezensent recht beeindruckt. Er staunt, wie es den Autoren gelingt, in dieser historischen Kulisse die Wurzeln unseres heutigen Kapitalismus freizulegen und gleich Strategien zum Umgang mit dieser Entwicklung in die Geschichte einzuführen: "Im Buch geht es um Sabotage der herrschenden Macht, um die Subversion des hegemonialen Sinns". Dabei ist ein dicker Wälzer herausgekommen, der nach Metelmanns Meinung "bestens recherchiert und brillant geschrieben" ist.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.11.2002

Marina Collaci kann Spannendes im Zusammenhang mit diesem ungewöhnlichen historischen Roman berichten, der erstens von einem Autorenkollektiv stammt und zweitens trotz seines zeitlichen Abstands aktuell in der Politik mitmischt. Via Internet rief beispielsweise der Held des Romans, Gert dal Pozzo, im Juli 2001 zur Teilnahme an den Demonstrationen gegen den G-8-Gipfel in Genua auf. Parallelen zur heutigen Politik seien also beabsichtigt, erklärt Collaci. "Q" spielt zur Reformationszeit und dal Pozzo ist ein umtriebiger Abenteurer, der von Freiheitsidealen geleitet quer durch Europa zieht und in sämtliche Bauernaufstände, Häretikerbewegungen, frühkapitalistische Händel und politische Machenschaften gerät, in die man zu dieser Zeit geraten konnte. Rund 800 Seiten fülle das vierköpfige Autorenkollektiv, berichtet Collaci fasziniert, mit dieser spannenden, poetischen und teilweise sehr blutrünstigen Geschichte, denn dem Helden ist immer auch der Feind in Gestalt von "Q" auf der Spur, der sich in alle Bewegungen einschleicht und zum Fanatismus aufstachelt. Das Ende sei aber keineswegs pessimistisch, verrät Collaci, das Aufkommen des Buchdrucks verheiße neue Kampfformen, so wie ja auch die Autoren, die sich mittlerweile nicht mehr "Luther Blissett" sondern "Wu ming" nennen (chinesisch für "namenlos"), Schreiben als politische Aktion begriffen.

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