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Klappentext
Auch wenn es manchmal danach aussieht: Kunst muss nicht unwissend, Gelehrsamkeit nicht öde sein. Anita Albus lädt mit diesem Buch zu einem Spaziergang durch fünf Jahrhunderte ein, auf dem es zu wunderbaren Begegnungen zwischen Malern und Philosophen, Schriftstellern und Forschern kommt. Dieser Parcours beginnt in der Spätrenaissance. Dort trifft sich der Miniaturist Joris Hoefnagel mit dem Kosmographen Abraham Ortelius, dem christlichen Kabbalisten Guillaume Postel und anderen Gelehrten, Sammlern und Nomaden des 16. Jahrhunderts. Im 17. Jahrhundert folgt Maria Sibylla Merian ihren "Grillen" bis nach Surinam. Was Gott schuf, ordnete Carl von Linne im 18. Jahrhundert. Biografische Skizzen berühmter Botaniker schließen sich an. Wie Naturforscher beobachten die Brüder Goncourt ihre Zeitgenossen im 19. Jahrhundert. In der Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel Proust geht Anita Albus den Geheimnissen Vermeers nach, und am Ende erscheint der junge Vladimir Nabokov im Spiegel einerSperbereule, um die zwei Schmetterlinge von Hoefnagel flattern. Im Geiste Panofskys legen diese Geschichten verschüttete Traditionen frei.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.11.2002
Nach Anita Albus' 1997 erschienenem Werk "Die Kunst der Künste", das rasch zum Kultbuch avancierte, zeichnet sich auch ihr neue Publikation nach Ansicht von Rezensent Albert von Schirnding durch "erleuchtete und erleuchtende Variationen zum Sehnsuchtsthema" aus. Zwar erreicht "Paradies und Paradox" nach für Schirnding nicht ganz die Geschlossenheit des vorausgehenden Werks, da neben dem 16. Jahrhundert, das in einem zwei Drittel des Bandes einnehmenden "glanzvollen Großessay" zu Wort und Bild kommt, die übrigen vier Jahrhunderte mit kurzen, meist schon anderswo veröffentlichten Arbeiten vertreten sind. Trotzdem zeigt er sich begeistert und geradezu schwärmerisch. Eine "Schwindel erregende unzeitgemäße Stimme" spricht für ihn aus Albus' Werk. Doch der kulturkritische Ansatz spielt seines Erachtens nicht die entscheidende Rolle. "Eher", erläutert er, "sollte man an jene Art von Aufklärung denken, die dem aufklärenden Impuls als Selbstkorrektur erwächst." Albus Beschreibung der 1589 in München entstandenen Miniaturen des bayerischen Hofmalers Joris Hoefnagel, die die Jahreszeiten darstellen - für Schirnding das "Kostbarste und Köstlichste, was man sich an allegorischer Malerei denken kann" - bejubelt er als "Herz- und Glanzstück des Buches." Doch egal, ob Albus nun Guillaume Postel oder Maria Sibylla Merian vorstellt - stets lasse sie den Leser zur Freude Schrindings in ein Zeitalter blicken, dem unseres in fast allem genau entgegengesetzt ist.
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