Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Harold Bloom

Die Kunst der Lektüre

Wie und warum wir lesen sollten

Cover: Die Kunst der Lektüre

C. Bertelsmann Verlag, München 2000
ISBN-10 3570003345
ISBN-13 9783570003343
Gebunden, 314 Seiten, 23,52 EUR

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Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Angelika Schweikhart. Lesen bildet. Aber vor allem: Lesen macht Spaß. Lesen ist Vergnügen, Genuss, Erotik. Lesen kann man überall, ohne Vorbereitung, ohne Hilfsmittel und ohne Beschränkungen. Beim Lesen lernt man sich selbst kennen. Lesen macht weniger einsam, macht weltoffen, klug, fröhlich, mutig und - wenigstens für eine Weile - glücklich. Weil Harold Bloom dies alles, und noch viel mehr, weiß, hat er sein wunderbares Brevier über die Lesekunst geschrieben. Ohne gelehrten Zeigefinger lädt er ein zu einer Lesereise durch Zeiten, Genres und Künstlerschicksale. Mit leichter Hand entführt er in die Welt der kurzen Geschichten, der großen Romane, der Dramen, die seit Jahrhunderten Menschen bewegen, und der Gedichte, die in wenigen Zeilen Welten erschaffen. Seine literarischen Beispiele entlehnt er den Werken von Maupassant, Tschechow, Hemingway, Nabokow, Calvino, Blake, Whitman, Keats, Proust, Cervantes, Dostojewski, Ibsen, Faulkner, Pynchon, McCarthy und vielen anderen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2001

Zwei neue Bücher des "Enfant terrible" der amerikanischen Literaturtheorie bespricht mit merklicher Bestürzung Heinrich Detering. Auch deshalb, weil er nach den früheren "wirkungsmächtigen Arbeiten" etwas ganz anderes von diesem "großen Kritiker" erwartet hat.
1) "Shakespeare" (Bloom)
Diese "kunstreligiöse Erhöhung" Shakespeares zu einer "Schöpfergottheit" geht Rezensent Heinrich Detering deutlich gegen den Strich. Auch wären die Thesen, die der Klappentext als neu ausgebe, so neu nun wieder auch nicht: zum Beispiel, dass Shakespeare der Erfinder des modernen Individuums sei. Vielmehr sieht der Rezensent hier die Genieästhetik des 18. Jahrhunderts gegen modernes Reden vom "Tod des Subjekt" ins Feld geführt. Im Wesentlichen moniert Detering die "Ersetzung der Analyse durch Adoration", die er noch nicht einmal als "eine schrullige Variante moderner Kunstreligion" beiseite legen könne, da Bloom auf der "Beweis- und Messbarkeit seiner Glaubensbekenntnisse" bestehe. Nach welcher Skala jedoch bleibt nach Detering im Dunkeln. Stattdessen jede Menge mächtiger Vokabeln - und der "apokalyptische Ton", in dem sie vorgetragen werden, fällt dem Kritiker ziemlich auf die Nerven. Auch deshalb, weil er hier mitunter "Symptome einer Orthodoxie" erkennt, die seiner Ansicht nach ans "Wahnhafte" grenzt. Noch nerviger findet der Rezensent die verschiedenen "sonderbarsten" Hitlisten, die aus dem Buch auch ein Guinnes-Buch der literarischen Rekorde machten.
1) "Die Kunst der Lektüre" (Bloom)
"Welchen Grund aber könnte es geben", fragt Heinrich Detering, "diese Ansammlung von Banalitäten, Bluff und grobem Unfug zu lesen, mit der ein großer Kritiker seinen Ruf ruiniert?" Er habe darauf keine Antwort, doch hält er die Frage für bedenkenswert. Zuvor hat er sich pflichtbewusst durch die dreihundert Seiten gearbeitet, auf denen mehr als vierzig weltliterarische Werke gemustert und nach Gattungen gegliedert würden. Auch unter der Fragestellung: "Wie soll man lesen, und warum?" Zunächst stolpert Detering über Blooms "neuerdings vertretene Theoriefeindschaft" und die Plattheit der daraus resultierenden Urteile. Auf den begeisterten Überschwang, mit dem hier manches gelobt wird, will er sich gar nicht mehr einlassen, da es schwer falle, die "Superlative auseinander zu halten". "Verwirrend, ja rätselhaft" schließlich findet Detering dann die wenigen Versuche, literarische Begriffe zu erläutern. Was er als Textproben zu kosten gibt, klingt bisweilen arg stilblütenhaft und dem Rezensenten rutschen immer wieder hämische Kommentare in die ansonsten sehr sachliche Besprechung des Buches. Am Ende resigniert er schließlich: wer unter Blooms Anleitung lese, sei dem New Age nicht mehr fern. Fast treibt das dem Kritiker die Tränen in die Augen: "man kann nicht glauben, dass derlei Harold Bloom geschrieben haben soll."

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000

Lesen ist eine ernste Sache und die Lektüre eine Kunst, so die Überzeugung des Literaturwissenschaftlers Harold Bloom. Diese Kunst will er mit seinem Buch vermitteln. Rezensent Kurt Oesterle bescheinigt Blooms Vorgehen "didaktische Vorsicht" und bespricht den Band sonst im Referat der Thesen und des Inhalts. "Mitleidendes Vergnügen" ist das Schlüsselwort von Blooms Lektüreverständnis, abgelehnt werden dagegen, so Oesterle, Postmoderne und Dekonstruktion mit ihrer These vom "Tod des Autors". Unter den besprochenen Autoren dominieren die englischsprachigen, wobei über allen anderen aber zwei unerreichte Genies stehen: Shakespeare und Cervantes. Das Motiv für dieses Buch, so Oesterle, ist der Versuch, sich dem Verfall der Lesekultur entgegenzustellen. Große Hoffnung gibt es freilich nicht: Ironie etwa, referiert Oesterle sehr ernst, sei inzwischen weitgehend unverständlich geworden.

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