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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Joyce Carol Oates

Zombie

Roman

Cover: Zombie

Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2000
ISBN-10 342105178X
ISBN-13 9783421051783
Gebunden, 208 Seiten, 17,38 EUR

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Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Renate Orth-Guttmann. Das Psychogramm eines Serienkillers - von einer der großen amerikanischen Autorinnen der Gegenwart. Joyce Carol Oates verpflanzt den Leser in das Hirn Quentin P.`s. Das Monster, das wir sonst nur aus schreienden Schlagzeilen kennen, wird zum Leben erweckt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.05.2000

Peter Körte bespricht zwei Bücher, die sich mit Mord befassen: Joyce Carol Oates` bereits 1995 in den USA erschienen Roman "Zombie" und David Mamets zweiten Roman "Der Fall Leo Frank".
1) Joyce Carol Oates: "Zombie"
Oates` Portrait eines nach dem Original von Jeffrey Dahmer modellierten Serienkillers ist nicht nur zu spät übersetzt worden, da die Konjunktur des Genres vorüber sei, klagt Körte, sondern ohnehin misslungen. Aus einem klugen Essay, den Oates im New Yorker veröffentlicht hat, sei ein papierener Roman entstanden. Der sei zwar flüssig zu lesen, aber aus der These vom Serienkiller als All American Psycho habe sie kein plastisches Bild ihres "Helden" Q.P. formen können. Oates interessiere sich offenbar "weniger für die Figur als für deren Funktion". Körte rangiert Oates` Beitrag zum mittlerweile erschöpften Genre noch hinter den "zweitklassigen" Autor und Hannibal-Lecter-Erfinder Thomas Harris ein.
2) David Mamet: "Der Fall Leo Frank"
Sehr viel interessanter findet er dagegen den zweiten Roman David Mamets, der bisher vor allem als Dramatiker, Drehbuchautor und Filmregisseur hervorgetreten ist. In "Der Fall Leo Frank" schildert er den authentischen Fall des jüdischen Fabrikbesitzers, der 1915 von einem Lynchmob kastriert und erhängt wurde, weil man ihn - fälschlich - beschuldigte, ein Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Anders als Oates mit ihrer "schlichten Rollenprosa" gelinge es Mamet, den "stream of consciousness" seines Helden überzeugend vorzuführen. Die Mametsche Diktion sei alles andere als glatt und folge der Selbstqual und den Selbstzweifeln Leo Franks in die hintersten Winkel seines Bewusstseins. Die verdrängte jüdische Identität - Körte weist auf den Originaltitel "The Old Religion" hin - des assimilierten Leo Frank gerät immer mehr ins Zentrum der gehetzten Gedanken des Helden - und wird zum Anlass einer unaufdringlichen Kritik der amerikanischen Melting-Pot-Ideologie. Der Rezensent bescheinigt Mamets Roman "einen eigenen Ton, der in der US-Literatur selten zu hören ist" und sieht ihn als bemerkenswerte Bereicherung für die deutsche Wahrnehmung, die neben De Lillo und Pynchon wenig Interessantes in der amerikanischen Gegenwartsliteratur erkenne.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.04.2000

Georg Seeßlen findet es bemerkenswert, dass sich Oates` Arbeit von den typisch-amerikanischen allegorischen oder satirischen Serienmördergeschichten unterscheidet. Er beschreibt die Arbeit als ein Wagnis (sowohl für die Autorin als auch für den Leser). Einen ziemlich guten literarischen Text sieht Sesslen in diesem Buch: "Sprache kann sehr eispicklig sein. Und Poesie sehr hnterhältig."

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2000

Dem Rezensenten Michael Winter ist nach eigenem Bekunden bei der Lektüre dieses Romans das Blut in den Adern gefroren. Unheimlich sei hier nicht, dass Oates die Geschichte eines Serienmörders erzähle, unheimlich sei viel mehr, dass sie aus seiner Perspektive und ohne jedes moralische Urteil schreibe. Ein etwas missratener Sohn eines Professors, an sich ein netter Mensch, möchte sich durch eine Gehirnoperation einen gefügigen Menschen schaffen. Leider misslingen die Operationen, und er muss einen Kadaver nach dem anderen entsorgen. Winter ist nicht von der Verrücktheit, sondern von der "Normalität" dieser Strategie fasziniert. Wer hätte nicht gern einen fraglos liebenden Menschen an seiner Seite, fragt der Rezensent und benennt noch einmal das Schaurig-Skandalöse von Oates` Erzählstrategie: Sie spekuliere dabei nicht auf die Opferangst des Lesers, sondern im Gegenteil auf seine Angst, sich als Täter wiederzuerkennen.

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