Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Brigitte Heinrich. Momma, Poppa, Bruder, Schwester. Sie packen alles ins Auto, was sie mitnehmen können, legen das tote Baby in eine Spielzeugkiste in den Kofferraum. Sie verlassen Mineola in Texas, eilen und irren durch die offenen Weiten Amerikas nach Gaylord in Michigan, zu Bompa. An jedem Ort, den sie durchqueren, verkaufen sie etwas von dem, was ihnen geblieben ist - die Basketballausrüstung des Sohns, die Kette der Tochter, Mutters Hochzeitskleid, Vaters Taschenuhr: Sie fahren weiter und weiter und müssen doch bei sich selbst und ihren ungetrösteten Gefühlen bleiben.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.03.2003
Eleonore Frey zeigt sich begeistert von Michael Kimballs erstaunlichem Roman. Die Reise der verelendeten Familie vom Süden in den Norden der USA überrasche vor allem durch zwei sich in strengem Rhythmus abwechselnde Erzähler, die die gleichen Dinge auf zwei vollkommen unterschiedliche Weisen berichten. Zum einen der Sohn, der den Verlauf der Reise analytisch beobachtet, und zum anderen die jüngere Tochter, die im Gegenteil alles aus kindlicher Sicht sieht und ebenso beschreibt, was manches Mal überraschend oder sogar "slapstickhaft" wirke, wobei der Autor dankenswerterweise nie ins Unbedarfte abgleite, so die Rezensentin, wodurch die Distanz zu den beiden kleinen Erzählern stets gewahrt bleibe. Hinzu kommt noch ein Lob der Rezensentin für die "erfreulich ungezwungene Übersetzung" von Brigitte Heinrich.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.12.2002
Ingeborg Harms lässt an Michael Kimballs "makabrer Road-Story", in der eine kleine Familie mit der präparierten Leiche ihres verstorben Sohnes bzw. Bruders im Kofferraum Amerika durchquert, kein gutes Haar. Wie Harms ausführt, erzählt Kimball die Geschichte aus der Perspektive des namenlosen Schwester-und-Bruder-Paares in einer Art Privatsprache, einer "seltsamen Mischung" von gewöhnlicher Rede in normalem Satzbau und kindlichen Umständlichkeiten und Worterfindungen. Das empfindet Harms schlicht als "Zumutung". Denn Kimballs "Sprachdrechseleien" haben für sie nichts mit einer kindlichen Sprache zu tun. "Das Buch", echauffiert sich die Rezensentin, "ist vielmehr eine schwerfällige Erzählung, in der sich ein Erwachsener - mit dem Gertrude-Stein-Sound im Ohr - ausmalt, wie Kinder sprechen würden". Wider besseres Wissen zwinge Kimball seine Leser, "die traurigen Episoden der Reise durch die verzerrte Brille einer zweifelhaften Sprachakrobatik wahrzunehmen". Was das ganze Buch soll, ist der Rezensentin eh nicht so klar. Eins ist für sie allerdings sicher: "Kimballs Roman ist eine Totgeburt."
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2002
Frank Schäfer spricht gleich im ersten Satz seiner Rezension aus, was der Leser wohl wissen sollte: "Dieses Buch macht keinen Spaß". Kein Wunder, ist es doch eine "ebenso trostlose wie irrwitzige Horrorgeschichte", in der Schäfer Parallelen zu den Filmen David Lynchs entdeckt. Besonders sprachlich findet Schäfer die Darstellung des Horrors, der sich durch dieses Buch zieht, interessant gelöst: Der Autor Michael Kimball lässt zwei "noch kaum sprachmächtige" Kinder aus einer "vorrationalen, mystischen Welt" die von Leichen gepflasterte Odyssee ihrer Familie erzählen. Der Autor schafft es nach Schäfer, mit diesem "infantilen Kunstidiom die totale Verstörung der beiden Protagonisten" erfahrbar zu machen, auch wenn er den Leser nach mit der Übersetzung dieser Traumsprache manchmal überfordere. Trotzdem, diese Prosa entwickelt in Schäfers Augen "neuralgische Wucht" und ist so "todtraurig, dass es einem weh tut".
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Archiv: Bücherschauen
Dressierte Geschichten über dressierte Gefühle
09.02.2012: Großes Ereignis: Peter Nadas' Jahrhundertroman "Parallelgeschichten" liegt vor und beendet damit das Sandkastenspiel der bürgerlichen Literatur. Die Zeit ist überwältigt. Auch Christian Krachts Roman "Imperium" über den Begründer eines Kokusnussreichs kommt bei ihr sehr gut an. Die FAZ liest Hanna Kralls Erinnerungen "Rosa Straußenfedern". Die NZZ lernt in Bernd Stieglers "Belichtete Augen" alles über die Wunder der Optografie. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







