Bücherschau der Woche
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Klappentext
Amerikanisch und Deutsch, übersetzt von Jürg Laederach. Walter Abish, geboren 1931 in Wien, gilt seit dem Erscheinen seines Romans "How German Is It - Wie deutsch ist es" auch hierzulande als einer der bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Postmoderne. "Alphabetical Africa", sein erster Roman, erschienen 1974, ist berühmt für die Regel, unter der er geschrieben wurde: seine 52 Kapitel sind überschrieben mit den Buchstaben A bis Z, dann wiederum mit Z bis A. In Kapitel A dürfen nur Worte mit dem Anfangsbuchstaben A vorkommen, in Kapitel B solche mit Anfang A und B, in C solche mit Anfang A, B oder C, usw. Die Zulassung von Wort-Anfängen erweitert sich allmählich bis zum Kapitel Z - und verengt sich im zweiten Durchlauf abermals bis hin zu Kapitel A. Jedes neue Kapitel kann ein neues Wort er- oder verunmöglichen, greift jedenfalls in die Regeln des Diskurses ein. Für den Autor keine leichte Aufgabe, und die amerikanische Kritik hat denn auch moniert, dass Abish sie nicht ganz gelöst hat, weil ihm ein paar Fehler unterlaufen sind (und weshalb das Buch vielleicht eher An Almost Alphabetical Africa hätte heißen sollen), aber - der Witz wäre keiner, wenn Abishs Buch nichts weiter als die penible Erfüllung seiner Regel wäre. "Afrika ist ein beliebter Gegenstand der Literatur", sagt Abish, "es erlaubt einen so gewaltigen Überfluss, dass es meine Imagination nährte, lange bevor ich meinen Fuß auf diesen Kontinent setzte."
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002
Unter der schönen Überschrift "Seliger Leinenzwang" reflektiert Jochen Jung über den "Wahnsinn", den sowohl Abisch als auch sein Übersetzer Laederach verfallen sein müssen, solch ein Buch des "Formenzwangs" nicht nur zu schreiben sondern auch noch zu übersetzen. Die Spielregel, ganze Kapitel nur mit Wörtern eines bestimmten Anfangsbuchstabens anfangen zu lassen (und noch einige andere Erschwerungen mehr) nennt Jung eine "Spielregel von größter Einfachheit und schönster Hirnrissigkeit". Dass es dann um ein Afrika geht, das weder "Bild" noch nacherzählbare "Geschichte" werden kann, hat ihn nicht weiter gestört, aber anscheinend auch nicht weiter interessiert. Seine Besprechung drückt vor allem eins aus: ein fröhliches Nachvollziehen dieses Wahnwitzes. "Ein einzigartiges Abenteuerbuch" ist da entstanden, "das in jede Bibliothek gehört", die auf sich hält, "Abteilung Säulenheilige", urteilt Jochen Jung.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.10.2002
Karsten Kredel ist zugleich begeistert und erfreut. Begeistert ist der Rezensent als Fan der Literatur des 1931 geborenen Wiener Juden Walter Abish, der später mit seinen Eltern vor den Nazis nach Shanghai floh, dann nach Israel und am Ende nach New York übersiedelte. Und erfruet hat ihn, dass nun, gut dreißig Jahre nach der Veröffentlichung im Original, "endlich" Abishs "exzentrischster" Roman "Alphabetisches Afrika" im Deutschen vorliegt. Allein schon die Konstruktion dieses Werks findet Kredel hoch beeindruckend. Die Kapitel seien dem Alphabet entsprechend angeordnet und beginnen mit einem Abschnitt, in dem ausschließlich der Buchstabe A verwendet wird, ein zweiter beinhaltet die Buchstaben A und B, fortgeführt wird diese Reihe bis zum Buchstaben Z, bis die Geschichte richtig starten kann, berichtet der Rezensent und ist erstaunt, wie "elegant" Abish mit wenigen Wörtern zu jonglieren weiß. Abishs Konzentration auf die Sprache mag zwar, räumt Kredel ein, nicht mehr "ganz taufrisch" sein, seine Prosa sei aber trotzdem zeitlos, denn geradezu "meisterlich" wisse der Autor mit Sprache umzugehen. Und so sei dieser Roman, lobt der Rezensent, alles andere als ein "schwerer Gang durch formalistische Parcours", sondern vielmehr eine "genüssliche Persiflage" auf eine "mimetische Sprache". Die habe, lobt der Rezensent, der Übersetzer Jürg Laederach auch weitgehend gelungen ins Deutsche übertragen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2002
Mit großer Hochachtung und Sachkenntnis schreibt Jürgen Brocan über Walter Abishs Roman, den er als "wichtiges Buch der amerikanischen Postmoderne" apostrophiert und der 1974 erschienen ist. Das "Vexierspiel" mit den Klischees des "Abenteuer- und Afrikaromans" führe Abish durch eine grotesk anmutende Fiktion einer Reise durch die Länder Afrikas ad absurdum; sein Strukturprinzip bedeutet zudem, so Brocan, dass die "Entdeckung des Kontinents" am Ende gewissermaßen "zurückgenommen", "die Landnahme ins Gegenteil verkehrt" wird. Die deutsche Übersetzung von Jürg Laederach sei etwas sehr Besonderes, denn das oben erwähnte Strukturprinzip des Romans ist der Kapitel für Kapitel neu hinzutretende nächste Buchstabe des Alphabets beziehungsweise nach der Hälfte wiederum die sukzessive Auslassung von einem Buchstaben nach dem anderen, was heißt, es sind nur solche Wörter jeweils gebraucht, die bestimmte Buchstaben enthalten oder nicht enthalten. Brocan bestätigt Laederach, dass er für dieses diffizile Problem eine adäquate Lösung von Fortschreibung und diversen Zusätzen gefunden hat. Zwar sei ob der "Innovationslust des Übersetzers" einiges an "Kapriolen" geschlagen worden und einige davon ohne Not, aber alles in allem sei hier das "Thema Sprache", um das es Abish gegangen sei, dadurch "verdoppelt" und "ins Deutsche erweitert" worden.
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