Das Reformationsjahrhundert war eine der großen Zeiten deutscher Geschichte mit nachhaltigen Wirkungen. Die vorliegende Bilanz stellt erstmals die gesamte Reformationsgeschichte von ihrer für uns revolutionärsten Seite dar: als Medienereignis. Geschichte kommt seither auch aus der Druckerpresse. Ebenso wichtig war die Institutionenbildung in Religion und Politik, zu der neue Forschungsergebnisse vorliegen, die das ganze Geschichtsbild verändern. Von der moderneren Konfessionalisierungsforschung ausgehend bestimmt das Buch Typen und multikulturelle Auswirkungen der Konfessionsbildung. "Staatsbildung - aber wie?" war die andere Frage der beginnenden Neuzeit. Die glanzvolle Europapolitik Karls V. und der Aufbau der deutschen Doppelstaatlichkeit gaben Antworten mit institutioneller Zukunft. Das frühmoderne Reich war - gemessen am Entwicklungsstand von Information und Institution - nicht zurückgeblieben, sondern Europas fortgeschrittenster Staat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.10.2003
Holla, ein kluges Geschichtsbuch, das neue Erkenntnisse bereithält und den Leser auch noch zu unterhalten weiß! Das Jahrhundert der Reformation ist das Thema des Augsburger Historikers Johannes Burkhardt, er lässt es 1517 beginnen und 1617 enden; was er über diese hundert Jahre zu berichten weiß, ist Eric-Oliver Mader zufolge höchst "erfrischend" und unkonventionell. Burkhardt entlarve schon auf den ersten Seiten den Thesenanschlag Luthers als nachträglichen medialen Mythos, der eben deshalb den "Beginn der Neuzeit markiere. Denn die Reformation ging einher und wurde befeuert durch die Explosion der Medien: die Möglichkeit der Vervielfältigung und weiten Verbreitung von Druckerzeugnissen, die Existenz eines maßgebenden deutschen Bibeltextes; der Protestantismus war also eine "Medientheologie", dem Katholizismus mangelte es an derlei Kompetenz. Ebenso neu sei Burkhardts Interpretation der Ursachen des Dreißigjährigen Krieges, der das "Reformationsjahrhundert" beendete: Nicht die "Krisen im Reich" seien Schuld gewesen, sondern der "Unfriede in Europa". Burkhardt, resümiert Mader, habe einen neuen Standard gesetzt.
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