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Klappentext
Ludwig Harig überrascht mit einem ganz persönlichen Jahrhundertbuch. Es ist ein Buch des Erzählens und Weitererzählens und gleichzeitig die Geschichte seines aufregenden Lebens, das untrennbar verbunden ist mit der deutschen Geschichte des letzten Jahrhunderts. Er zeigt, dass die Geschichten der Vergangenheit nie ein Ende haben können und alles Erlebte weiterlebt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2003
Rezensent Claus-Ulrich Bielefeld zeigt sich recht angetan von Ludwig Harigs Lebensrückblick. Er attestiert dem 1927 im saarländischen Sulzbach geborenen Erzähler ein in der deutschen Literatur eher seltenes "optimistisches Naturell". Seine Romane, obgleich von der deutschen Katastrophe geprägt, zeichnen sich nach Ansicht Bielefelds bei aller Düsternis stets durch das "Pfiffige und Widerständige" der Protagonisten aus. In "und wenn sie nicht gestorben sind" schreite Harig das Jahrhundert ab, vergewissere sich der alten Geschichten und vertrauten Personen, berichtet Bielefeld. Vor allem in seinen Erinnerungen an die Kindheit in den dreißiger Jahren erweist sich Harig nach Einschätzung Bielefelds als "Meister der kleinen Anekdoten", "in denen harmlose Kleinbürgerlichkeit aufscheint, die sich gegen die Verführungskraft des Nationalsozialismus nicht wird wehren können". Spannend findet Bielefeld auch Harigs Beschreibung seiner Jahre in der nationalsozialistischen Lehrerbildungsanstalt, die das Zentrum in diesem Buch bilden. Zu seinem Bedauern schwindet diese Spannung ein wenig, wenn Harig in der Normalität des bundesrepublikanischen Alltags ankommt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2002
"Quasi ein biografischer Nachzügler", so nennt Ursula Pia Jauch diesen Band von Ludwig Harig, dem Saarländer, der "mit zwei, drei Wortstrichen einen Ort, eine Stimmung evozieren kann" - und es hier getan hat. Beeindruckt hat die Rezensentin, die ganz offenbar Harigs Werk gut kennt, wie hier Vignetten und "Bübereien", "Bizarrerien aus der eigenen Familie" zusammengeschlossen sind mit einem zweiten Besuch Harigs bei (dem Saarländer) Erich Honecker, - als der schon Gefangener in Berlin-Moabit war. Der Beschreibung dieses Besuchs widmet sie einen großen Teil ihrer Besprechung, kommt am Ende jedoch auch auf den "nochmaligen Besuch der eigenen Adoleszenz" des Autors zu sprechen, die ihn "bewundernswert offen" berichten lässt von sich als vom NS-Rassismus verführten Jungmann. "Seit zwanzig Jahren", so Jauch, geht Harig "den Kreisbewegungen der eigenen Existenz nach", - und folgt man der Rezensentin, so hat er immer noch und immer wieder etwas zu sagen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002
Zwiespältig hat Rezensent Walter Hinck diese autobiografischen Essays von Ludwig Harig aufgenommen. Zu seinem Bedauern handelt es sich dabei nicht um eine Fortsetzung der drei autobiografischen Romane Harigs. Vielmehr bestätigen die Essays ihm "eine alte Regel autobiografischen Schreibens": "sobald Erreichtes genossen wird, droht Erzähltes fade zu werden". Doch nennt der Rezensent auch herausragende Stücke, wie den "bewegenden Nachruf" auf den Harig-Freund und Übersetzer Eugen Hemlé oder einen eher unscheinbaren Bericht einer Begegnung im Rahmen einer Lesereise, aus der Harig, wie Hinck berichtet, die Geschichte des Weiße-Rose-Studenten Willi Graf entwickelt. Nicht zu den Glanznummern zählt er dagegen Harigs Dialoge "mit wichtigen Personen der Zeitgeschichte" wie Oskar Lafontaine ("Hofpoesie") oder Erich Honecker, den Harig in der U-Haft interviewte. Dennoch sieht Hinck in Harigs Dichtung letztendlich "Lebenskunst" widerscheinen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002
Der Autor bedient sich gerne der Märchenmetaphorik, und auch der deutsche Wald hat es ihm angetan, und dennoch sei er alles andere als ein Märchenonkel, so Rolf Michaelis. Für ihn ist Ludwig Harig ein Autor, der beweist, dass gute Erzähler den Historikern allemal überlegen sind. Zwar scheue Harig keinen Gang ins Archiv, sagt Michaelis, aber er vertrete die Überzeugung, dass den Dokumenten, Briefen, Protokollen Leben eingeflößt werden sollte, so dass die Späteren aus den Erfahrungen der Früheren lernen können. Harigs Spurensuche beginnt in Verdun, wo sein Vater eine Kriegsverletzung davontrug, führt in seine Kindheit und Schulzeit im Dritten Reich zurück, durchstreift die gesamte Nachkriegszeit bis heute, porträtiert Kollegen und Politiker. Von Harig gebe es schon mehrere autobiografische Bücher, beugt Michaelis möglicher Kritik vor, doch auch dieses sei trotz seines heiteren Tonfalls keine Anekdotensammlung, sondern strenge gebundene Form, große Kunst und humorvoller Stil.
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