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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Annett Gröschner

Hier beginnt die Zukunft, hier steigen wir aus

Unterwegs in der Berliner Verkehrsgesellschaft

Cover: Hier beginnt die Zukunft, hier steigen wir aus

Berlin Verlag, Berlin 2002
ISBN-10 3827004209
ISBN-13 9783827004208
Gebunden, 215 Seiten, 19,00 EUR

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Klappentext

Mit Fotos von Arwed Messmer. In Berlin sind sie zwar nicht knallrot, aber der Ausblick vom oberen Fahrgastdeck ist genauso schön wie bei ihren berühmten Londoner Verwandten: die Doppelstockbusse der Berliner Verkehrsgesellschaft. Annett Gröschner nutzt diese Perspektive, um die Befindlichkeiten der Bundeshauptstadt zu kartografieren - jenseits von neuer Mitte und Regierungsviertel. Zwei Jahre lang ist die Autorin, Journalistin und Dokumentarin in Berlin "professionell" Bus und Bahn gefahren. Mit großem sozialem Gespür beschreibt sie das Leben, das rechts und links der Fahrbahn liegt. Berlins eigenartige Mischung aus Metropole und Provinz, Welt- und Kleinbürgertum lässt diese Fahrten zu einer Reise durch die Republik werden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.04.2003

Natürlich hat alles, was Unter den Linden geschieht, Symbolkraft, meint der Rezensent Jens Bisky. Aber sagen die Linden auch etwas über Berlin aus? Wo sind sie, die Berliner Orte, die für die Berliner selbst identitätsstiftend sind, die etwas über die Stadt sagen, so wie sie für deren Bewohner ist? Und wo sind die, die etwas darüber sagen können? Jens Bisky hat drei lesenswerte Berlin-Bücher ausgemacht, drei "individuelle Stadtpläne", die gar nicht erst versuchen "das allgemeine Wesen der Hauptstadt" zu ergründen. Annett Gröschner hat sich, so Bisky, von den Bussen und Bahnen der BVG tragen lassen, und um sich geschaut, in den Fahrzeugen und außerhalb. Dass dies kein "lebensnahes Unternehmen" sei, sondern Kunst, ergebe sich schon allein aus der Tatsache, dass sich der Normalsterbliche nicht länger als zur Beförderung nötig in den öffentlichen Verkehrsmitteln verweile. Bei dieser Stadtodyssee herausgekommen seien Reportagen, in denen man den Ort kennenlernt, "der wohl den größten Anspruch darauf hat, als öffentlicher Raum Berlins zu gelten", nämlich die BVG selbst. Hier sei das zu spüren, was das widersprüchliche Berliner Temperament ausmache: eine "Mischung aus Unsicherheit und Kontaktfreudigkeit".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.09.2002

Harry Nutt schwelgt unter dem Eindruck des vorliegenden Buches in Erinnerungen an die nächtlichen Busfahrten der Vorwendezeit, die für ihn sowohl in West- als auch Ost-Berlin nicht selten zu Grenzerfahrungen geworden sind. Der Eindruck der eignen Erfahrung lässt Nutt dann auch gut die ?leicht zwanghafte Lust am Busfahren? nachvollziehen, von der sich Annett Gröschner zu ihrer ?suggestiven Form des Stadterklärens? hinreißen lässt. Mag die genaue Absicht des Buches auch nicht klar auszumachen sein - Nutt fragt sich, ob hier ?literarisches Experiment oder dokumentarischer Forscherwille am Ende die Oberhand behalten?. Die Art und Weise hingegen, wie sich die Autorin der Stadt Berlin aus der Perspektive des Busses heraus nähert, weckt bei ihm reges Interesse. ?Gröschners driftendes Erzählen? sei mehr als nur ein bloßer Einfall, und vergleichbar mit Hans Ostwald, der sich in den 10er und 20er Jahren ?zum bedeutendsten Sittenforscher des Urbanen? gemacht hat. So könnte man Gröschners ?literarische Variante der Sozialforschung?, würde man sie im Kino betrachten, als Doku-Fiction bezeichnen. Ein solch unprätentiöses Schreiben - diese ?Liebeserklärung an Berlin und dessen Leben mit Grenzübertritten und Brüchen - ist für den Rezensenten problemlos als Gegenprogramm zum zuende gehenden Fräuleinwunder des hiesigen Literaturbetriebes zu lesen.

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