Joan Didion

Nach dem Sturm

Roman
Cover: Nach dem Sturm
Rowohlt Verlag, Reinbek 1999
ISBN 9783498013110
Broschiert, 251 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sabine Hedinger. Im Sommer 1984, mitten in Ronald Reagans zweitem Präsidentschaftswahlkampf, über den sie als Reporterin für die Washington Post berichten soll, verläßt Ellen McMahon überraschend Job, Mann und Kind und landet mit einer ungekennzeichneten Lockheed L-100 und einer Ladung Panzerminen für die nicaraguanischen Contras auf einem Rollfeld im Urwald Costa Ricas. Jahre später rekonstruiert eine Erzählerin diese unüberlegte Reise, die fiebrige politische Atmosphäre und die tragischen Folgen, die sie hatte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2001

Etwas spät kommt Sieglinde Geisels Rezension dieses Romans, der schon 1999 bei Rowohlt erschien, aber dafür ist sie ausführlich und detailgenau und erstellt ein regelerechtes Psychogram dieser "Mythografin des Westens". Geisel skizziert Didions Herkunft aus einer Pioniersfamilie, ihre thematische Zentriertheit auf den amerikanischen Westen und allenfalls noch Lateinamerika und erzählt ihre Anfänge als eine der Vertreterinnen des "New Journalism" neben Norman Mailer, Truman Capote und Tom Wolfe. Ihre Reportagen baue sie auf wie Erzählungen, und ihre Romane wer Reportagen, schreibt die Rezensentin und charakterisiert die Erzählweise in "Nach dem Sturm" als kühl, knapp, elliptisch, ja rätselhaft. Als Bezeichnung für die Grundatmosphäre fällt ihr das deutsche Lehnwort "angst" ein. "Nach dem Sturm" ist für Geisel ein "atomisierter Thriller", der uns in die Zeit der Contra-Affäre und der rücksichtslosen amerikanischen Machtpolitik der USA in Mittelamerika versetzt. Geisel ist offensichtlich fasziniert von dieser Geschichte einer Amerikanerin, die mehr oder weniger zufällig und unwissend (und übrigens nicht ganz glaubhaft, wie sie findet) in die imperialistischen Machenschaften der Ragan-Ära hineingerät. Und sie verspricht uns, dass der Roman seine Rätsel nicht löst und mit einem der "sltsamsten letzten Sätze der Weltliteratur" endet. Weniger angetan ist Geisel von Sabine Hedingers Übersetzung, die sie etwas zu frei findet - selbst dort, wo sich eine wörtliche Übersetzung angeboten hätte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2000

Joan Didion ist Reporterin, und zwar eine, "die dem Genre zur Ehre gereicht", meint Rainer Michael Schaper. Und so ist auch ihr Roman eigentlich kein Roman, so Schaper, sondern die von persönlichen Reflektionen durchzogene Recherche im Fall von Elena MacMahon, die 1984 unerwartet aus ihrem Leben ausstieg und eine Ladung Panzerminen in den Costa Ricanischen Urwald flog. Didion habe Prozeßakten ausgewertet, aber auch Notizen und Tagebucheintragungen, und sei dem "Subtext" dieser privat wie politisch motivierten Traumhandlung auf den Grund gegangen. Entstanden ist dabei das "Psychogramm" einer bestimmten gesellschaftlichen Sphäre, meint Schaper, in der die heimlichen Drahtzieher von Politik und Geschichte zu Hause sind. Was Schaper an der Schreiberin bewundert, ist, daß sie immer wieder auch ihre eigene Position in und zur Gesellschaft reflektiert.

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