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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

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J. M. Coetzee

Die jungen Jahre

Cover: Die jungen Jahre

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN-10 3100108191
ISBN-13 9783100108197
Gebunden, 220 Seiten, 18,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke. In "Die jungen Jahre" setzt J.M. Coetzee seine mit "Der Junge" begonne Autobiografie fort. "Im richtigen Leben, so scheint es, kann er nur eins richtig: unglücklich sein", lautet das Fazit den jungen Studenten. Anfang der 60er Jahre kann er der Enge und politischen Situation Südafrikas in seine Traumstadt entrinnen: London. Doch obwohl er als Mathematiker rasch eine Stelle als Programmierer bei IBM findet, gelingt es ihm nicht, heimisch zu werden. Er fühlt sich als Außenseiter und Büromensch, während er sich insgeheim danach sehnt, daß der Dichter in ihm zum Ausbruch kommt oder wenigstens eine schöne Frau ihm ihre Liebe schenkt und ihn so zu unvergänglichen Versen inspiriert.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.02.2003

"Die jungen Jahre", J. M. Coetzees Fortsetzung seiner fiktionialisierten Autobiografie, hat Rezensent Karsten Kredel recht beeindruckt. Coetzee schildere darin wie John, sein autobiografisches alter Ego, mittlerweile zwanzig Jahre alt, im London des Jahres 1962 vor der Brutalität und Trostlosigkeit der Wirklichkeit in die Welt der Bücher flüchtet. Sein Wunsch, selbst Dichter zu werden, muss zunächst hinter der Arbeit als Computerprogrammierer zurückstehen, berichtet Kredel. Doch dann entdecke er Becketts Romane und richte sein Interesse auf Südafrika, das er eben noch für immer vergessen wollte. Wenige Jahre später wird er erste Romane schreiben, die beide Inspirationen vereinigen. "Die jungen Jahre" sind nach Einschätzung Kredels mehr als eine Rückschau auf den unfertigen Künstler: "In der Klaustrophobie des in sich selbst Eingeschlossenen, der keiner Selbstgerechtigkeit fähig ist, im fremden Blick des reifen Autors auf die eigene Jugend", analysiert Kredel, "liegt der Schlüssel zu der Ethik, die Coetzees Bücher durchdringt."

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.11.2002

1998 hatte J. M. Coetzee unter dem Titel "Der Junge" seine Kindheitserinnerungen herausgegeben. In seiner nun erschienenen Beschreibung seiner Jugendjahre übertrifft der Autor sich an Schonungslosigkeit im Umgang mit seiner eigenen Person, findet die Rezensentin Angela Schader. Coetzees Fortsetzung seiner Lebensbeschreibung scheinen die Rezensentin stark berührt zu haben. Ausführlich berichtet sie über Coetzees grausamen Umgang mit seiner Mutter und vor allem mit seiner "Geliebten". Schader vermutet hinter dem sterilen Lebensentwurf des Autors und seinem Umgang mit Menschen ein "despotisches Hirn", das, wie sie anmerkt, einmal entsetzt über das eigene Verhalten bilanzierte, das sein Interesse den Tiefen galt, "die er ausloten wollte", und damit die Tiefen der eigenen Seele meinte. Die Rezensentin vermutet, dass dieser "Blick in den eigenen Abgrund" die Voraussetzung für die Bannkraft von Coetzees späteren Werke gewesen ist.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002

"Die jungen Jahre", dieser autobiografisch gefärbte Bericht des 62-jährigen südafrikanischen Schriftstellers und Literaturprofessors John Maxwell Coetzee, der für seine Werke bereits zweimal mit dem Booker-Preis ausgezeichnet wurde, lesen sich wie eine Fortsetzung seines Berichts "Der Junge" von 1997, informiert Martin Luchsinger. Nun ist der Junge erwachsen geworden und sucht den südafrikanischen Verhältnissen in England zu entrinnen, berichtet der Rezensent, der etwas erstaunt ist, dass Coetzee die Schilderung seiner Pubertät einfach übersprungen hat. Stattdessen berichte er mit bekanntem "erzählerischen Kniff" in der dritten Person, aber im Präsens, über seinen gescheiterten Aufenthalt in der "Festung Europa". Denn künstlerisch habe er sich da nicht verwirklichen können, sondern sei stattdessen als Computertechniker bei IBM gelandet. "Humor- und teilnahmslos" falle daher auch die Beschreibung Londons aus, wie auch die Selbstbeschreibung als "unattraktiver", "feiger" und "engherziger" erfolgloser Künstler. Seine Erzählung "Die jungen Jahre" verdeutliche, so der Rezensent, wie "bitter" Coetzees Erfahrungen in Europa waren und ist damit, ist Luchsinger überzeugt, gleichzeitig eine "unbequeme", aber "aufschlussreiche" "politische Parabel" über Machtkonstellationen in der ersten Welt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002

Ebenso beeindruckend wie abstoßend findet Rezensentin Felicitas von Lovenberg den zweiten Band von J. M. Coetzees "romanhafter Autobiografie", dem "Porträt des Künstlers als junger Mann". Treffender als den deutschen Titel findet sie allerdings den Titel der Originalausgabe "Youth", da dieser eher einen Zustand als einen Zeitraum beschreibe. In Coetzees ereignisarmer und doch faszinierender Alltagsbeschreibung samt ihrer "chronologischen Berichtstreue" geht es, wie sie schreibt, "einzig um einen, der auszog, das Schreiben zu lernen". Wie schon im 1998 erschienenen ersten Teil "Der Junge" nehme Coetzee auch diesmal den "größtmöglichen Abstand" zu seinem Protagonisten ein, und keine Sentimentalität trübe seinen Blick. Die Rezensentin folgt dem Weg des jungen John ein Stück, dessen inneres Feuer "einstweilen höchstens als Flämmchen in ihm flackert" und "Poesie braucht, um sich auszubreiten". Sieht ihn sich bei IBM verdingen, wo ihn die Monotonie der Büroarbeit dann leider nicht zu einem Kafka oder Wallace Stevens macht. Coetzee sucht keine Entschuldigungen für seinen kraftlosen Helden, stellt die Rezensentin mit großer Anerkennung fest. Er schildert die Leiden des jungen John ausführlich und mit bitterem Sarkasmus, lobt Lovenberg und hebt "neben der gewohnten stilistischen Brillanz" auch die große Ehrlichkeit des Buches hervor, in dem Coetzee "die eigene Zeit der Starre" in ein "beeindruckendes Memoir" verwandelt habe.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.10.2002

Der englische Titel "Youth" ist für Lothar Müller treffender als der deutsche, da damit eher ein Zustand als ein bestimmter Lebensabschnitt gemeint sei. Unverkennbar allerdings knüpfe "Die jungen Jahre" an das 1998 auf deutsch erschienene "Der Junge" an; hier wie dort gibt es kein biografisches "Ich, das sich näherkommt", stellt Müller fest, "kein Imperfekt, in dessen Hafen das erzählte Leben einmündet". Stattdessen wird in der dritten Person Präsens berichtet - nicht erzählt, meint Müller. Es herrscht ein kühler, harter, geschliffener Ton, der mitleidslos das Seelenleben eines jungen Mannes seziere, der sich als Künstler versteht und wie ein Angestellter lebt. Mehr Kafka als romantischer Irrsinn. Selten hat der Rezensent diesen Kunstrigorismus jenseits allen Bohème-Getues so eindringlich und düster geschildert gesehen, versichert er. Wie bei einer "schwarzen Messe" würden alle Künstlerallüren ausgetrieben, Coetzees Protagonist propagiere eine Kunstreligion, die für niemanden als sich selbst Verantwortung zu übernehmen bereit oder in der Lage ist. Der Preis sei eine moralische Indifferenz, die Coetzee von ihrer monströsen wie auch komischen Seite schildere, ohne aber zu denunzieren.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.08.2002

"Die jungen Jahre" ist der zweite Teil einer fiktiven Autobiografie des südafrikanischen 62-jährigen Autors J. M. Coetzee, berichtet Hans-Peter Kunisch in einer Besprechung, in die er auch viele andere Werke Coetzees etwas verwirrend unterbringt. In diesem Werk jedenfalls führe der Autor eine Geschichte fort, die er in "Boyhood" (Der Junge) begonnen habe. Der Junge werde nun erwachsen, aber ohne "Sentimentalität", so der Rezensent. Die Sprache des Autors findet er "trocken" und "sarkastisch". Der Jugend seines Protagonisten und Alter Ego werde hier nicht gehuldigt, die Botschaft laute vielmehr: "So erbärmlich, so hoffnungslos" war es. Und was war? Der 17-jährige John geht aus Südafrika fort nach London, will den Eltern entrinnen und ganz anders sein. Er studiert Mathematik, liest die Existenzialisten und wird schließlich Programmierer bei IBM. Er, der "Protestdenker" arbeitet an einem Programm, das "Bomben schafft", referiert Kunisch über den Inhalt. Was dem Rezensenten gefällt, ist der Grad der "Authentizität", den Coetzee herzustellen weiß. Besonders gelungen findet Kunisch die Deutlichkeit, in der der Autor seinen Helden auf sich selbst zurückwerfe, die Details der "Selbsterniedrigung" und die Angst, im Moment der Entspannung der eigenen "Gemeinheit" habhaft zu werden.

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