Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Ein erfolgreicher Buchhändler beschließt, sein Leben zu ändern: Er verlässt Frau und Tochter und sagt sich von der Liebe los. Doch etwas treibt ihn zurück. Er verspürt keinen Hass, nur Ekel und vollkommene Leidenschaftslosigkeit. Alles drängt zueiner Entscheidung. Endlich glaubt er einen Weg gefunden zu haben, seine Frau hinter sich zu lassen. "Ich verblieb mir selbst, als ein unheilvoller Ort, an dem ich nicht sein und von dem ich nicht fliehen konnte", heißt es bei Augustinus über jenen Überdruss, der schließlich zu einer Gefahr auch für andere wird. Lukas Bärfuss beschreibt in seiner Novelle, wie der Entschluss, um der eigenen Freiheit willen seiner Liebe zu entsagen, ins Verhängnis führt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.04.2003
Kristina Maidt-Zinke hat das Prosadebüt des Schweizer Autors, der bisher als Dramatiker auf sich aufmerksam gemacht hat, gut gefallen. Es geht um einen Buchhändler, der versucht, sich dem Leben so vollständig wie möglich zu verweigern, wobei er sogar einen Mord begeht, erzählt die Rezensentin. Den Ton der Novelle sieht sie von "trockener Harmlosigkeit" geprägt, und die "einfachen sprachlichen Mittel" mit der die Geschichte entfaltet wird, sind sehr "hintergründig" eingesetzt, so Maidt-Zinke angetan. Ihr gefällt es auch, dass der Leser stets die "Distanz" zur Hauptfigur halten kann und diese "uns nie zu nahe rückt". Wie aus Bärfuss' Stücken gewohnt, ziele auch dieser Prosatext auf die Diffamierung der Schweiz, informiert die Rezensentin, die sich dabei nicht unerheblich amüsiert zu haben scheint. Lediglich der Schluss der Geschichte, in dem der Protagonist seine völlige Lebensabkehr aufgibt und in die "Arme der Gattin" zurückkehrt, kritisiert sie als "kraftlos". Insgesamt aber stellt das Buch ein gelungenes Mittel gegen "Leseüberdruss" dar, so Maidt-Zinke begeistert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2003
Freiheit, findet der Ich-Erzähler von Lukas Bärfuss' Erzähl-Debüt, ist mit Liebe nicht zu vereinbaren, also trennt er sich von Frau und Tochter und führt fortan ein selbstbestimmtes Leben. Diese Selbstbestimmung jedoch läuft darauf hinaus, gar nichts mehr zu wollen, keine Nahrung, keine Meinung, keinen Schlaf und über dieses Nicht-mehr-Wollen dann noch zu räsonieren. Das klingt nicht nach einem Text, dessen Lektüre Spaß macht - und der Rezensent Martin Halter ist weit davon entfernt, das Gegenteil zu behaupten. Auszüge aus der Erzählung hat Bärfuss beim Bachmann-Preis in Klagenfurt vorgestellt, sie wurden als "sterbenslangweilig" abgekanzelt. Leider zu Recht, resümiert Halter nun in Kenntnis des gesamten Textes. Kein Gewinn, bedauert er, für die Schweizer Gegenwartsliteratur.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2002
Der Held von Lukas Bärfuss' Novelle - seinem Erstling - ist Buchhändler und ein Held ist er, bei Licht besehen, gewiss nicht, wie Roman Bucheli feststellt. Von Frau und Tochter hat er sich getrennt, zieht sich zurück, spielt mit dem Gedanken an Selbstmord und tötet, womöglich, ganz klar wird es wohl nicht, den Freund seiner Tochter. Passagenweise hat der Rezensent in der Novelle "Überraschendes und Erfrischendes" gefunden, die Einwände aber überwiegen. Sprachlich, so ein erster Vorwurf, ist das ganze zu sorglos gearbeitet, aber auch im faktischen Detail stimmt manches nicht: Schnitzer, so Bucheli, die leicht zu beheben wären, aber umso mehr verärgern. Gar nicht einverstanden ist der Rezensent auch damit, dass sich das ganze am Ende zu einer Art Schweiz-Allegorie aufzuschwingen versucht: hier rettet dann, meint er, auch die beachtliche "psychologische Einfühlungskraft" des Autors nicht mehr.
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
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Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







