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zuletzt aktualisiert 18.03.2010, 14.54 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Lukas Bärfuss

Die toten Männer

Novelle

Cover: Die toten Männer

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN-10 3518123068
ISBN-13 9783518123065
Taschenbuch, 126 Seiten, 8,50 EUR

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Klappentext

Ein erfolgreicher Buchhändler beschließt, sein Leben zu ändern: Er verlässt Frau und Tochter und sagt sich von der Liebe los. Doch etwas treibt ihn zurück. Er verspürt keinen Hass, nur Ekel und vollkommene Leidenschaftslosigkeit. Alles drängt zueiner Entscheidung. Endlich glaubt er einen Weg gefunden zu haben, seine Frau hinter sich zu lassen. "Ich verblieb mir selbst, als ein unheilvoller Ort, an dem ich nicht sein und von dem ich nicht fliehen konnte", heißt es bei Augustinus über jenen Überdruss, der schließlich zu einer Gefahr auch für andere wird. Lukas Bärfuss beschreibt in seiner Novelle, wie der Entschluss, um der eigenen Freiheit willen seiner Liebe zu entsagen, ins Verhängnis führt.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.04.2003

Kristina Maidt-Zinke hat das Prosadebüt des Schweizer Autors, der bisher als Dramatiker auf sich aufmerksam gemacht hat, gut gefallen. Es geht um einen Buchhändler, der versucht, sich dem Leben so vollständig wie möglich zu verweigern, wobei er sogar einen Mord begeht, erzählt die Rezensentin. Den Ton der Novelle sieht sie von "trockener Harmlosigkeit" geprägt, und die "einfachen sprachlichen Mittel" mit der die Geschichte entfaltet wird, sind sehr "hintergründig" eingesetzt, so Maidt-Zinke angetan. Ihr gefällt es auch, dass der Leser stets die "Distanz" zur Hauptfigur halten kann und diese "uns nie zu nahe rückt". Wie aus Bärfuss' Stücken gewohnt, ziele auch dieser Prosatext auf die Diffamierung der Schweiz, informiert die Rezensentin, die sich dabei nicht unerheblich amüsiert zu haben scheint. Lediglich der Schluss der Geschichte, in dem der Protagonist seine völlige Lebensabkehr aufgibt und in die "Arme der Gattin" zurückkehrt, kritisiert sie als "kraftlos". Insgesamt aber stellt das Buch ein gelungenes Mittel gegen "Leseüberdruss" dar, so Maidt-Zinke begeistert.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2003

Freiheit, findet der Ich-Erzähler von Lukas Bärfuss' Erzähl-Debüt, ist mit Liebe nicht zu vereinbaren, also trennt er sich von Frau und Tochter und führt fortan ein selbstbestimmtes Leben. Diese Selbstbestimmung jedoch läuft darauf hinaus, gar nichts mehr zu wollen, keine Nahrung, keine Meinung, keinen Schlaf und über dieses Nicht-mehr-Wollen dann noch zu räsonieren. Das klingt nicht nach einem Text, dessen Lektüre Spaß macht - und der Rezensent Martin Halter ist weit davon entfernt, das Gegenteil zu behaupten. Auszüge aus der Erzählung hat Bärfuss beim Bachmann-Preis in Klagenfurt vorgestellt, sie wurden als "sterbenslangweilig" abgekanzelt. Leider zu Recht, resümiert Halter nun in Kenntnis des gesamten Textes. Kein Gewinn, bedauert er, für die Schweizer Gegenwartsliteratur.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2002

Der Held von Lukas Bärfuss' Novelle - seinem Erstling - ist Buchhändler und ein Held ist er, bei Licht besehen, gewiss nicht, wie Roman Bucheli feststellt. Von Frau und Tochter hat er sich getrennt, zieht sich zurück, spielt mit dem Gedanken an Selbstmord und tötet, womöglich, ganz klar wird es wohl nicht, den Freund seiner Tochter. Passagenweise hat der Rezensent in der Novelle "Überraschendes und Erfrischendes" gefunden, die Einwände aber überwiegen. Sprachlich, so ein erster Vorwurf, ist das ganze zu sorglos gearbeitet, aber auch im faktischen Detail stimmt manches nicht: Schnitzer, so Bucheli, die leicht zu beheben wären, aber umso mehr verärgern. Gar nicht einverstanden ist der Rezensent auch damit, dass sich das ganze am Ende zu einer Art Schweiz-Allegorie aufzuschwingen versucht: hier rettet dann, meint er, auch die beachtliche "psychologische Einfühlungskraft" des Autors nicht mehr.

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