Wallersteins These lautet: Eine strukturelle Krise hat zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Zentren der Weltwirtschaft erreicht. Die von der mächtigsten Militärmacht USA und den Profiteuren der Weltwirtschaft dominierten Beziehungen zwischen Nord und Süd sind gerade dabei, ihr Gleichgewicht zu verlieren und ins Chaos zu stürzen. Die liberalistische Ideologie, das moderne, für die Kapitalverwertung unabdingbare Staatensystem sowie die Wohlfahrtsprojekte für die Zentren der Weltwirtschaft haben ihre Glaubwürdigkeit verloren... Die Schwächung des Staates, ist Wallerstein überzeugt, führt die großen Akkumulateure direkt in die Krise. Dies ist die historische Chance für ein besseres, ein gerechteres Wirtschaftssystem.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.07.2002
Immanuel Wallerstein sucht nach Alternativen zu utopischen Gegenentwürfen und findet sie in dem, was er "Utopistik" nennt. Produktiv gemacht werden soll dafür die Lektüre der Geschichte, die Erkenntnis der "langlebigen geschichtlichen Strukturen" (nach Fernand Braudel). Seine These: das Weltsystem befindet sich im Umbruch, das Chaos droht. Der Rezensent F.O. Lui stellt fest, dass Marx bei dieser Prognose nicht allzuweit ist, weist aber auf das Systemdenken Wallersteins hin, das auch scheinbar einschneidende Veränderungen als Säkulartrends langer Dauer entschärft: Stabilität durch Wandel ist in der Regel die Folge, nicht die Revolution des kapitalistischen Systems. Der Liberalismus jedoch sei heute in eine gefährliche Krise geraten, das System geschwächt. Der Vorteil (aus revolutionärer Perspektive): kleine Impulse können nun große Veränderungen bewirken. Wallerstein sieht - utopistisch auf diese Art - die Möglichkeit einer "materialen Rationalität" heraufziehen, F.O. Lui erkennt in der Anti-Globalisierungsbewegung durchaus eine Bestätigung der Prognose.
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