Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Jobs
Historische Tage
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Carl Zuckmayer
Geheimreport
Klappentext
1943/44 verfasste der 1939 in die USA emigrierte Dramatiker Carl Zuckmayer für den amerikanischen Geheimdienst "Office of Strategic Services" einen Report mit etwa 150 Charakterporträts von Schriftstellern, Publizisten, Verlegern, Schauspielern, Regisseuren und Musikern (Hans Albers, Gustaf Gründgens, Heinz Rühmann, Theo Lingen, Gottfried Benn, Ernst Jünger, Wilhelm Furtwängler, Peter Suhrkamp u.a.), die im "Dritten Reich" zum Teil herausragende Positionen bekleidet haben.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2002
Für Rezensent Joachim Kalka sind die Studien des 1943 für den amerikanischen Geheimdienst ausgearbeiteten Dossiers eine faszinierende Gelegenheit, "das Ambiente der Schweinerei" der im Deutschland des Dritten Reiches gebliebenen Künstler und Intellektuellen "von einem Kenner ausgeleuchtet zu sehen": eine Serie von hundertfünfzig "scharfumrissenen" Porträts "wechselnder Dichte und Länge, oft brillant", nach deren Lektüre Kalka zum Ergebnis kommt: besser als hier hat Zuckmayer nie geschrieben. Kurz wird die Entstehungsgeschichte der Studien skizziert, wobei der Rezensent Zuckmayer vor dem Vorwurf, ein Denunziant gewesen zu sein, in Schutz nimmt. Erstaunlich findet Kalka viel mehr, "wie klug, maßvoll, differenziert" Zuckmayer geschrieben habe. Die Stärke dieser Skizzen liegen in ihrem "sicheren Umriss", erklärt er. Den "umfangreichen Erläuterungsapparat" dieses "sehr wichtigen Buches" findet Kalka "präzise und reichhaltig". Auch das Nachwort wird lobend hervorgehoben.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2002
Zu "Geheimdienst und Literatur" assoziiert der Rezensent Matthias Wegener: James Bond und dann auch die Stasi-Mitarbeit einzelner Autoren, beides macht aufgeregt. Die Erstveröffentlichung von Carl Zuckmayers "Geheimreport" über die individuelle Verstrickung von 150 Kulturschaffenden im nationalsozialistischen Deutschland - im Auftrag von Emmy Rado geschrieben, der Leiterin einer Abteilung des amerikanischen Geheimdienstes - ist gänzlich anderer Natur, beruhigt Wegener. Hier werde kein Autor entlarvt oder eine geheime Tätigkeit aufgedeckt, denn es habe bereits 1947 eine Teilveröffentlichung in der Münchner "Neuen Zeitung" gegeben. Die Bekämpfung des NS-Regimes, mittels hilfreicher Vorarbeit zur Einschätzung persönlich zu verantwortender Schuld und gegen ein geringfügiges Entgelt, sei darüber hinaus für einen emigrierten Schriftsteller naheliegend. Herausgekommen ist laut Wegener ein sehr empfehlenswertes, weil "philologisch solide aufbereitetes" Lexikon, dessen 337 Seiten langer, sehr detaillierter Kommentar mit einem klugen Nachwort versehen wurde und sich auf lediglich 188 Seiten Quellentext von Zuckmayer stützt, rechnet der Rezensent genau vor. Und die moralische Integrität des Autors steht für Wegener ganz außer Frage: hier findet er geradezu elegische Worte.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.05.2002
Rezensent Günther Rühle zeigt sich beeindruckt "Geheimreport" Carl Zuckmayers, in dem der Dichter seine Ansichten und Urteile über Menschen, die in Nazideutschland blieben und dort etwas galten, niederschrieb. Schon bevor der Report, wie jetzt, vollständig vorlag, sorgte Carl Zuckmayers Geheimreport für Aufsehen, geriet dann aber bis heute in Vergessenheit, berichtet Rühle. Auf etwa 180 Seiten Text findet der Rezensent 150 Lang- und Kurzporträts, gefolgt von 300 Seiten Anmerkungen und Kommentaren der Herausgeber. Ihr "wuchernder Anhang" erscheint Rühle "historisch kostbar, erinnernd, erhellend, ergänzend". Den Zuckmayerschen Teil möchte der Rezensent "eben bewundern und im nächsten Augenblick in die Ecke werfen". Zuerst sei es ein Buch für Vergangenheitsschnüffler, dann für Menschenbetrachter, dann für Zuckmayerianer. Rühle hebt hervor, dass Zuckmayers Report nur als Produkt des Exils angemessen verstehen kann, als solche aber hätten sie ihren eigenen Wert. Im allgemeinen schreibt der eher versöhnliche Zuckmayer, dem Rachsucht und Feindlichkeit fern liegen, nach Ansicht des Rezensenten ohne pauschal zu verdammen. Allerdings musste er im Geheimreport Menschen kategorisieren - eine Angelegenheit, die ihm im Grunde fremd war, bemerkt der Rezensent. Bei der im großen und ganzen stets fairen Bewertung von Autoren, Schauspieler, Künstlern und Verlegern macht Rühle aber auch einige Fälle von nicht gerechtfertigten Abrechnungen - "imaginäre Hinrichtungen", die dem Rezensenten rätselhaft bleiben.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.04.2002
Der Autor Carl Zuckmayer schrieb als deutscher Emigrant - und angefeuert durch die begeisterte Emmy Rado vom Office of Strategic Services, New York - 1943/44 einen äußerst vergnüglichen "Geheimreport", in dem er an die 150 Kulturgrößen des Nazi-Deutschland charakterisierte: Er unterteilte in dennoch mutige Gute, schlechte "Gewinnler", indifferente Drückeberger und komplizierte Sonderfälle, so der Rezensent Gustav Seibt. Er verfällt knapp sechzig Jahre später - mit der ersten Veröffentlichung des "Zwerchfell erschütternden" Dossiers - der gleichen begeisterten Erregung wie Emmy Rado. Der Rezensent, der hier ein der "Denunziation benachbartes Genre" ausmacht, lobt die "Gerechtigkeit und Gutartigkeit" mit denen sich Zuckmayer der Menschen und Charaktere - unter besonderer Berücksichtigung erotischer Vorlieben - annäherte. In den vier "Meisterstücken der Sammlung", den Charakterstudien zu Gustav Gründgens - "er geht mit unsichtbaren Schlittschuhen an den Füßen am liebsten auf blankem Eis" -, Wilhelm Furtwängler, Emil Jannings und Friedrich Sieburg, hätte Zuckmayer in "fast shakespearescher Fülle" auch "ewige Typen" skizziert: den verhuschten Selbstsüchtigen, den geldgierigen, bekennenden Feigling und den selbstverachtenden Mitmacher. Den Schwerpunkt bilde natürlich das Berliner und Wiener Theater- und Filmmilieu, aus dem der Autor "aus eigener Kenntnis" berichten könne. Auf 180 Seiten fallen die meisten Porträts sehr kurz aus, so Seibt, dessen "respektloses" Gelächter längst "historischem Interesse" und "bewundernder Nachdenklichkeit" gewichen ist.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Bücher von Lesern empfohlen
Alma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel
Aus dem Spanischen und Englischen von Matthias Wolf. 1970 verließ die junge Mexikanerin Alma Guillermoprieto ...
Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!
Martina Rellin hat sich mit Frauen aus dem Osten darüber unterhalten, was sie wirklich bewegt, wie sie ihr ...
Archiv: Bücherschauen
Das Gegenglück, der Geist
09.02.2010: Großer Bahnhof für J.M. Coetzee: Zu seinem Siebzigsten preisen FAZ, FR, NZZ und SZ den neuen autobiografischen Roman "Sommer des Lebens" als "grandios", "raffiniert" und "wahrste, kühnste und unterhaltsamste Literatur". Sehr lieb ist der NZZ die Anti-Hysterie von Arno Geigers Eheroman "Alles über Sally". Die taz feiert Amir Hassan Cheheltans großartigen Roman "Teheran Revolutionsstraße". Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Christopher Isherwood: Löwen und Schatten
08.02.2010: Großartig erzählt Christopher Isherwood in "Löwen und Schatten" von seiner Schul- und Studienzeit in London und Cambridge in den zwanziger Jahren, von seinen ersten Schreibversuchen und seinen ersten Freunden und Liebhabern. Hier eine Leseprobe. Mehr lesen
Miljenko Jergovic: Freelander
01.02.2010: Karlo Adum heißt der Held in Miljenko Jergovics neuem Roman "Freelander". Er ist ein pensionierter Lehrer und begibt sich eher widerwillig auf eine Irrfahrt durch Kroatien nach Bosnien und Herzegowina. Zu einer Testamentseröffnung. Lesen Sie hier einen Auszug.
Mehr lesen
Alain Mabanckou: Black Bazar
25.01.2010: Alain Mabanckou erzählt in seinem Roman "Black Bazar" sehr selbstironisch von den Träumen afrikanischer Männer, die in Paris ihr Glück suchen. Und hin und wieder auch einen Rückschlag verschmerzen müssen. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen


Folgen Sie uns auf Twitter


