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Carl Zuckmayer
Geheimreport
Klappentext
1943/44 verfasste der 1939 in die USA emigrierte Dramatiker Carl Zuckmayer für den amerikanischen Geheimdienst "Office of Strategic Services" einen Report mit etwa 150 Charakterporträts von Schriftstellern, Publizisten, Verlegern, Schauspielern, Regisseuren und Musikern (Hans Albers, Gustaf Gründgens, Heinz Rühmann, Theo Lingen, Gottfried Benn, Ernst Jünger, Wilhelm Furtwängler, Peter Suhrkamp u.a.), die im "Dritten Reich" zum Teil herausragende Positionen bekleidet haben.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2002
Zu "Geheimdienst und Literatur" assoziiert der Rezensent Matthias Wegener: James Bond und dann auch die Stasi-Mitarbeit einzelner Autoren, beides macht aufgeregt. Die Erstveröffentlichung von Carl Zuckmayers "Geheimreport" über die individuelle Verstrickung von 150 Kulturschaffenden im nationalsozialistischen Deutschland - im Auftrag von Emmy Rado geschrieben, der Leiterin einer Abteilung des amerikanischen Geheimdienstes - ist gänzlich anderer Natur, beruhigt Wegener. Hier werde kein Autor entlarvt oder eine geheime Tätigkeit aufgedeckt, denn es habe bereits 1947 eine Teilveröffentlichung in der Münchner "Neuen Zeitung" gegeben. Die Bekämpfung des NS-Regimes, mittels hilfreicher Vorarbeit zur Einschätzung persönlich zu verantwortender Schuld und gegen ein geringfügiges Entgelt, sei darüber hinaus für einen emigrierten Schriftsteller naheliegend. Herausgekommen ist laut Wegener ein sehr empfehlenswertes, weil "philologisch solide aufbereitetes" Lexikon, dessen 337 Seiten langer, sehr detaillierter Kommentar mit einem klugen Nachwort versehen wurde und sich auf lediglich 188 Seiten Quellentext von Zuckmayer stützt, rechnet der Rezensent genau vor. Und die moralische Integrität des Autors steht für Wegener ganz außer Frage: hier findet er geradezu elegische Worte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.05.2002
Rezensent Günther Rühle zeigt sich beeindruckt "Geheimreport" Carl Zuckmayers, in dem der Dichter seine Ansichten und Urteile über Menschen, die in Nazideutschland blieben und dort etwas galten, niederschrieb. Schon bevor der Report, wie jetzt, vollständig vorlag, sorgte Carl Zuckmayers Geheimreport für Aufsehen, geriet dann aber bis heute in Vergessenheit, berichtet Rühle. Auf etwa 180 Seiten Text findet der Rezensent 150 Lang- und Kurzporträts, gefolgt von 300 Seiten Anmerkungen und Kommentaren der Herausgeber. Ihr "wuchernder Anhang" erscheint Rühle "historisch kostbar, erinnernd, erhellend, ergänzend". Den Zuckmayerschen Teil möchte der Rezensent "eben bewundern und im nächsten Augenblick in die Ecke werfen". Zuerst sei es ein Buch für Vergangenheitsschnüffler, dann für Menschenbetrachter, dann für Zuckmayerianer. Rühle hebt hervor, dass Zuckmayers Report nur als Produkt des Exils angemessen verstehen kann, als solche aber hätten sie ihren eigenen Wert. Im allgemeinen schreibt der eher versöhnliche Zuckmayer, dem Rachsucht und Feindlichkeit fern liegen, nach Ansicht des Rezensenten ohne pauschal zu verdammen. Allerdings musste er im Geheimreport Menschen kategorisieren - eine Angelegenheit, die ihm im Grunde fremd war, bemerkt der Rezensent. Bei der im großen und ganzen stets fairen Bewertung von Autoren, Schauspieler, Künstlern und Verlegern macht Rühle aber auch einige Fälle von nicht gerechtfertigten Abrechnungen - "imaginäre Hinrichtungen", die dem Rezensenten rätselhaft bleiben.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.04.2002
Der Autor Carl Zuckmayer schrieb als deutscher Emigrant - und angefeuert durch die begeisterte Emmy Rado vom Office of Strategic Services, New York - 1943/44 einen äußerst vergnüglichen "Geheimreport", in dem er an die 150 Kulturgrößen des Nazi-Deutschland charakterisierte: Er unterteilte in dennoch mutige Gute, schlechte "Gewinnler", indifferente Drückeberger und komplizierte Sonderfälle, so der Rezensent Gustav Seibt. Er verfällt knapp sechzig Jahre später - mit der ersten Veröffentlichung des "Zwerchfell erschütternden" Dossiers - der gleichen begeisterten Erregung wie Emmy Rado. Der Rezensent, der hier ein der "Denunziation benachbartes Genre" ausmacht, lobt die "Gerechtigkeit und Gutartigkeit" mit denen sich Zuckmayer der Menschen und Charaktere - unter besonderer Berücksichtigung erotischer Vorlieben - annäherte. In den vier "Meisterstücken der Sammlung", den Charakterstudien zu Gustav Gründgens - "er geht mit unsichtbaren Schlittschuhen an den Füßen am liebsten auf blankem Eis" -, Wilhelm Furtwängler, Emil Jannings und Friedrich Sieburg, hätte Zuckmayer in "fast shakespearescher Fülle" auch "ewige Typen" skizziert: den verhuschten Selbstsüchtigen, den geldgierigen, bekennenden Feigling und den selbstverachtenden Mitmacher. Den Schwerpunkt bilde natürlich das Berliner und Wiener Theater- und Filmmilieu, aus dem der Autor "aus eigener Kenntnis" berichten könne. Auf 180 Seiten fallen die meisten Porträts sehr kurz aus, so Seibt, dessen "respektloses" Gelächter längst "historischem Interesse" und "bewundernder Nachdenklichkeit" gewichen ist.
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