Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Von August 2000 bis Juli 2001 hat Karl-Markus Gauß ein Jahresbuch geschrieben, das Logbuch eines Mitteleuropäers, das Melancholie und Polemik, Erzählung und Reflexion, Erinnerung und Entwurf verbindet. Auf Porträts verstorbener Freunde und Essays zu Schriftstellern wie Karl Kraus und Sandor Marai folgen Attacken gegen den Konformismus und die Zwänge der Unterhaltungsindustrie. Gauß erzählt von randständigen Persönlichkeiten, Lebenshaltungen, Regionen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2003
Die reinste Freude hat Karl-Markus Gauß mit seinem Journal dem Rezensenten Alexander Bartl beschert. Der Kritiker und Schriftsteller Gauß führe darin Buch über Weltbewegendes und Alltägliches aus den Randzonen Europas: Über Beschlüsse der EU-Kommission ebenso wie über die Nöte eines verkannten slowenischen Schriftstellers oder das zerstörte Grab eines Obdachlosen. Wie vom Wegrand aufgelesen erscheinen diese Miniaturen, die in den Augen des Rezensenten zu literarischen Porträts geraten - "glänzend formuliert und rigoros im Urteil". Sollen andere ruhig weiter um die "goldene Palme der größten intellektuellen Geschmeidigkeit" konkurrieren, wie Bartl zitiert, Gauß öffne einem die Augen, weil er seine literarische Bildung einfach gegen das "Blendwerk halber Gedanken und ganzer Dummheiten" auszuspielen wisse.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.05.2002
Als literarischer Anwalt des Kleinen, des Vergessenen und Marginalen habe sich Karl-Markus Gauß einen guten Namen gemacht, berichtet Rezensent Christoph Bartmann. Er hebt Gaußens "Zug zum Widerständigen" hervor, der einhergeht mit seinen Attacken auf das Affirmative und Opportunistische. Nach Auskunft Bartmanns nimmt denn auch die Abneigung, insbesondere gegen Banales einerseits und Abgehobenes andererseits, breiten Raum in Bartmanns Essays, Zwischenrufen und Kritiken ein. Unter kritischem Beschuss stehen laut Bartmann u.a. Luc Bondy, Gerhard Schröder, Wolfgang Schüssel, der FC Bayern München, Frank Castorf, der Wiener Aktionismus, die Kulturindustrie und die Popmusik. In Gaußens Essays macht Bartmann bisweilen eine "ketzerisch-konservative Kulturkritik" ausfindig, die einiges Pier Paolo Pasolini verdanke. Insgesamt findet Bartmann in Gauß' Journal eine "gut lesbare, meistens unterhaltsame Mischung aus Ansichten, Lesefrüchten, Reisen, Erinnerungen, Betrachtungen und manchem mehr", die ihm auch da gefällt, wo er Gauß gerne widersprechen möchte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2002
Ganz ausgezeichnet gefallen Günther Stocker die in diesem Band versammelten "luziden Analysen" etwa von Bill Clintons Grinsen, "einfühlsamen" Künstlerporträts und "polemischen Attacken" gegen die neue 'Religion' von Pop, Kulturindustrie und Neoliberalismus des österreichischen Publizisten Karl-Markus Gauß. Gauß, der hier seine Einfälle zum Tagesgeschehen in der Zeit von August 2000 bis Juli 2001 notiert hat, singt dabei nicht das Lied vom Untergang des Abendlandes, versichert der Rezensent. Dafür sei er stilistisch viel zu "brillant" und habe zu viel "Witz". Er suche vielmehr immer nach einem eigenen Standpunkt, statt eingefahrene Debatten einfach weiterzuführen. Als Beispiel nennt Stocker Gauß' Kritik am "Faschismusverdacht" unter den Schriftsteller wie Elfriede Jelinek und Gerhard Roth Österreich gern stellen. Hier erinnere Gauß an all die, die Widerstand geleistet haben. Doch was für Stocker das Schönste an dem Band ist: Gauß "versteht es nicht nur zu polemisieren, sondern auch zu rühmen". Auch wenn es kleine Schwächen in dem Buch gebe, und Gauß gelegentlich mit "großen Namen" kokettiere: Alles in allem ist dies ein "Trostbuch für denkende Zeitgenossen", lobt Stocker.
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