Herausgegeben vom Deutschen Bundestag. Geschichte und Folgen der SED-Diktatur beschäftigten während zweier Wahlperioden eine Enquetekommission des Deutschen Bundestages. Die Resultate der zweiten Arbeitsphase werden nun erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf über 13.000 Seiten informieren Experten aus Politik und Wissenschaft kompetent und differenziert über den gegenwärtigen Stand der Aufarbeitung. Aber auch zahlreiche prominente und unbekannte Zeitzeugen - darunter viele Opfer der SED-Diktatur - berichten über ihre Erfahrungen seit 1989.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.02.2001
Eckhard Jesse gibt zu, dass dieses äußerst umfangreiche Werk "auch den fleißigsten Rezensenten überfordert", doch gleichzeitig äußert er Respekt angesichts dieser Materialfülle, die kaum einen Aspekt unberücksichtigt lässt. Dennoch hätte Jesse eine "Beschränkung auf Kernthemen" sinnvoll gefunden. Inhaltlich gefällt ihm, dass - anders als im Band der ersten Enquete-Kommission von 1995 - hier auch das Alltagsleben untersucht wird, etwa der Umgang mit Mangelwaren in der DDR oder auch "generationenspezifische Alltagserfahrungen". Die Autoren sind, wie Jesse betont, fast ausnahmslos ausgewiesene Fachleute im Bereich der Deutschland- bzw. DDR-Forschung. Jesse begrüßt es allerdings ausdrücklich, dass daneben auch Nachwuchsforscher zu Wort kommen. Kritisch beurteilt der Rezensent das Fehlen eines "`roten Fadens` zur Entwicklung in den neunziger Jahren" - seiner Ansicht nach hätte dem Band zumindest ein gelegentliches Bilanzieren gut getan. Auch so manche Abhandlung scheint Jesse recht langatmig, "geradezu ermüdend" geraten zu sein. Doch insgesamt werde in diesem Band deutlich, dass es um die deutsche Vergangenheitsbewältigung besser bestellt ist, als gemeinhin angenommen. Der Band helfe, die DDR besser zu verstehen und mache auf aktuelle Probleme aufmerksam. Zum Schluss betont der Rezensent ausdrücklich, dass es sich bei diesem Band aber auf keinen Fall um eine Abrechung des "Westens" mit dem "Osten" geht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2000
Hans-Joachim Föllers Beurteilung dieser Bände ist klar und deutlich: "Für Forscher künftig unverzichtbar" ist diese äußerst umfangreiche Materialsammlung seiner Ansicht nach. Die "Kontroversen in Politik und Wissenschaft" werden ersichtlich, schreibt er, gleichzeitig werde klar, welche Themen noch nicht erforscht worden sind. Föller beschreibt in seiner Rezension die Bände kurz inhaltlich, erwähnt einzelne Kapitel (z. B. `Opfer, Elitenbildung, Justitielle Aufarbeitung` oder `Bildung, Wissenschaft, Kultur`) und flicht auch die Kritikpunkte der Kommission dabei ein. Dass für viele Leute Werte wie "Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit" noch keine Selbstverständlichkeit sind, ist für Föller in erster Linie ein Bildungsproblem. Die Studien der Enquetekommission sind daher seiner Ansicht nach gut geeignet, diesem Defizit konstruktiv zu begegnen.
Mit acht einschüchternden Bänden in Rot bekommt es Rezensent Jens König hier zu tun und er nähert sich ihnen sehr von der Seite. Der Umfang (nebeneinander gestellt: 57,8 Zentimeter!) lasse eine eingehende Besprechung natürlich nicht zu - und so wird erst einmal ein DDR-Witz zitiert. Der Band 5 mit "Beschreibungen des Alltagslebens" ist für König von besonderem Interesse: in den Klischees und Witzen, Aufklärung und Nostalgie scheint ein durchaus wiedererkennbares Bild gezeichnet. Insgesamt handele es sich um "eine schier unerschöpfliche Quelle", die zum Blättern und Wiederlesen sehr zu empfehlen sei.
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