Herausgegeben von der Transit Migration Forschungsgruppe. Heute über Migration nach Europa zu reden, heißt fast immer von der "Festung Europa" zu sprechen. Ins kollektive Gedächtnis haben sich seit über einer Dekade die entsprechenden Bilder eingespeist: überladene Schiffe, skrupellose Menschenhändler, anonyme Massen armer Flüchtlinge. Mal werden sie voller Empathie, mal mit Ablehnung betrachtet. Selten jedoch verlassen Forscher, Journalisten oder Politiker die abgesteckten Pfade dieses Mythos und fragen, was eigentlich wirklich an der Grenze, in der Migration, aber auch in den angeblichen Zitadellen der Macht vor sich geht. Das Forschungsteam Transit Migration hat das Migrationsgeschehen im Südosten Europas untersucht und liefert Thesen über eine Region, die zunehmend zur Schnittstelle und zum Brennpunkt der Aus-, Ein-, Rück- und Durchwanderung von Migranten und Migrantinnen geworden ist. Dabei werden aus Menschenhändlern lokale Transportunternehmer, aus armen Flüchtlingen Menschen mit Plänen und Strategien und aus allmächtigen Behörden Institutionen der Improvisation, die dem Geschehen gleichsam hinterherrennen.
Instruktiv findet Rezensent Mark Terkessidis diesen Band über "Migration an den Grenzen Europas". Wie er berichtet, befasst sich der Band mit dem Gewirr der unkontrollierbaren Bewegungen der Migranten und einer uneindeutigen Einwanderungspolitik auf europäischer Ebene. Die Beiträge verdeutlichen für ihn, wie sehr diese Einwanderungspolitik improvisiert ist. Sie basiere nicht nur auf Abwehr. Die Grenze würden im Interesse des Arbeitsmarktes auch durchlässig gehalten. So produziere das "Migrationsregime" in Europa gegenwärtig vor allem "illegale" Migranten. Der Band bietet nach Einschätzung von Terkessidis eine "wahre Fundgrube von Recherchen". Er kann ihm nur jeden ans Herz legen, der sich ein realistisches Bild des Einwanderungsgeschehens in Europa machen möchte.
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