Berichte der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission. Herausgegeben von Frank Beer, Wolfgang Benz und Barbara Distel. Überlebende der Ghettos und Lager fanden sich im Sommer 1944 in der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission zusammen. Sie zeichneten Erinnerungen auf, begannen mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der jüdischen Katastrophe und publizierten sie in einer Schriftenreihe. Erstmals erscheint in deutscher Sprache eine Auswahl von 12 Texten, die zwischen 1944 und 1947 entstanden und damals auf Polnisch oder Jiddisch erschienen sind: authentische Zeugnisse von einzigartiger Kraft.
Die "Zentrale Jüdische Historische Kommission" hatte im polnischen Lublin schon 1944 damit angefangen, mehrere tausend Interviews mit Überlebenden der Shoah zu führen, um sie vor dem Vergessen zu retten, berichtet Alexandra Senfft. Lange waren diese Berichte nur auf Polnisch und Jiddisch verfügbar und die Rezensentin spricht Verlag und Herausgebern ihren uneingeschränkten Dank für das aufwendige und wichtige Projekt aus, aus der Fülle des Materials zwölf historiografisch besonders bedeutsame Dokumente auszuwählen und zu übersetzen. Trotz oder wegen der erstaunlich klaren Sprache der Berichte bleiben die Erlebnisse der Zeugen "nahezu unvorstellbar und emotional unbegreiflich", schreibt Senfft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.04.2014
Von einem einzigartigen Quellenfund und seiner erstaunlichen Editionsgeschichte berichtet Hans Holzhaider: Der Band "Nach dem Untergang" versammelt Berichte, die Überlebende der Ghettos und Vernichtungslager in den Jahren 1944 bis 1947 verfasst und der der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission übergeben hatten. Diese Kommission war unmittelbar nach der Befreiung Lublins durch die Rote Armee von jüdischen Intellektuellen gegründet worden, die den Schrecken des Holocausts festhalten wollten. Holzhaider hat hier von entsetzlichen Erlebnissen gelesen, darunter auch Berichte von Überlebenden der Sonderkommandos, die auch für hartgesottene Historiker schwer zu verkraften seien. Kaum glauben konnte der Rezensent, dass dieses Konvolut bisher nur auf Polnisch und antiquarisch existierte. Zu verdanken ist seine Bergung dem privaten Engagement Frank Beers, eines Chemikers aus Bergisch Gladbach, der die Originalausgaben ausfindig gemacht und dem Zentrum für Antisemitismusforschung zur Auswertung überlassen hat.
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