Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Eine Tankstelle ist überfallen, die Kassiererin brutal zusammengeschlagen worden. Sie fällt in ein Koma, aus dem sie vielleicht nie wieder erwachen wird. Maeve, so ihr Name, ist die jüngste Tochter des Verkäufers Billy Sweeney. Der am Boden zerstörte Vater muß während der Gerichtsverhandlung erleben, wie der Haupttäter entfliehen kann. Und so macht sich Billy selber auf die Suche nach dem Flüchtigen, um seine Tochter zu rächen: "Ein guter Verkäufer weiß, was sich mit Worten ausrichten läßt und was nicht".
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2000
Burkhard Scherer gibt in seiner Rezension zunächst den Inhalt des Romans in Kurzform wieder, wobei der Sog, den dieses Buch offensichtlich auf ihn ausgeübt hat, deutlich spürbar wird. Ihm gefällt, wie Bill Sweeney mit "erstaunlicher Selbstdistanz" seine Konflikte mit dem Verbrecher Donal Quinn dokumentiert und letztlich zu dem Schluss kommt: "Er erinnerte mich an mich". Obwohl Scherer davon ausgeht, dass es sich bei Bill Sweeney nicht um ein "Alter Ego" des Autors handelt, sei es O?Connor "mit großer Kunstfertigkeit" gelungen, das Wechselbad der Gefühle seines Protagonisten auf eine mitreißende Art dem Leser zu vermitteln. Mit viel Fingerspitzengefühl und erzählerischem Talent gelinge es dem Autor, den Leser zum "Voyeur" zu machen. Dabei verläuft die Geschichte, wie Scherer findet, keineswegs geradlinig und vorhersehbar.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2000
Über den irischen Gegenwartsroman denkt Hansjörg Graf an Hand der folgenden zwei Bücher nach:
1) Joseph O`Connor: "Der Verkäufer"
Das Motto des 1963 in Dublin geborenen Autors ist "rückhaltlose Authentizität", was aber bei einem alkoholisierten Protagonisten auch heißt, "Erfundenes und Erfahrenes" kräftig zu mischen, meint Hansjörg Graf. Als Brief an die im Koma liegende Tochter begonnen wird der Roman zum Tagebuch des Erzählers; die Textstruktur erinnert Graf an ein Haus mit mehreren Etagen - Thriller, Horrorroman und Melodram -, zwischen denen ein ständiger Wechsel stattfindet. Am Ende steht allerdings eine Art überraschende "Familienidylle", die Graf fürchten lässt, dass die Generation der "Enddreissiger" bald die versöhnliche Rückkehr zu den "Vätern" (Yeats!) antritt.
2) Kathleen Ferguson: "Die Haushälterin"
Die Ich-Erzählerin Brigid, die nach 33 Jahren als Haushälterin eines Pfarrers von der Kirche entlassen wird, liefert eine "Suada" der Abrechnung mit der Rolle der katholischen Kirche in Irland, so der Rezensent Hansjörg Graf. Zwischen den Zeilen ist in der "Rollenprosa" der 1958 in Derry, Nordirland geborenen Autorin auch eine irische "Mentalitätsgeschichte der Nachkriegszeit" enthalten, schreibt Graf, und mutmaßt, dass der - ihn manchmal offensichtlich überwältigende - Sprachfluss des Romans wohl als "Symptom irischer Selbstdarstellung" gelten muss.
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