Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Die junge Inna kämpft in der menschenleeren Einöde Lapplands ums Überleben. Die Mutter ist tot, der Vater nach einem tragischen Unglück ein verkrüppelter, gebrochener, despotischer Mann. Inna kennt wenig Freude in ihrem Dasein. Und doch ist da eine namenlose Sehnsucht, eine Kraft, die aus der Wärme der Erinnerung kommt. Eines Tages besiegt Inna die Angst, denn sie begegnet Aron, einem schweigsamen Fremden, der in der weiten Fjäll- und Seenlandschaft Lapplands Pferde hütet. Eine ungewöhnliche Liebe nimmt ihren Anfang ... Fünfzig Jahre später begibt sich mitten im Winter eine andere Frau voller Schmerz und Trauer in die Einöde. Nach dem plötzlichen Tod ihren Mannes aus dem Leben gerissen, stößt sie zufällig auf einen vollkommen einsam gelegenen Hof und entdeckt die tote Inna an einem Brunnen im Schnee. Fasziniert spürt sie deren Schicksal nach und den eigenen Vorstellungen von Liebe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.09.2000
Ein Roman, der auf den ersten Blick die gängigen Klischees erfüllt, dank derer die deutsche Leserschaft seit Jahrzehnten die skandinavische Literatur goutiert. So sieht es Klaus Böldl, der die stereotype Veranschlagung der nordischen Literatur als zivilisationskritisch und zur Naturmystik neigend mit Unwillen registriert. Nach dieser längeren Einführung und kleinen Schmährede der breiten Leserschaft - obwohl Böldl zugibt, dass die skandinavischen Autoren damit gut gefahren sind - kommt er auf das eigentliche Buch zu sprechen, einen Roman, der all die Ingredienzien des "Heimat"-Genres aufweist: weite Wälder, Schnee, Liebe, Tod und Inzucht. Und doch, so lautet Böldls Botschaft, erziele der Roman seine Wirkung weniger aus dem durchaus vorhandenen erzählerischen Pathos als vielmehr aus der geschickten, zeichenhaften Konstruktion des Romans, die zwei Frauenschicksale miteinander verwebt.
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