Mit 34 Abbildungen. Zu Richard Wagners 200. Geburtstag hat der Wagner-Experte Dieter Borchmeyer eine Biografie geschrieben, die die Summe seiner jahrzehntelangen Wagner-Forschungen darstellt. Wagners Leben mit all seinen künstlerischen und politischen Implikationen bettet Borchmeyer ein in eine ungemein aufschluss- und kenntnisreiche Beleuchtung des Werks, und zwar nicht nur des musikalisch-dramatischen, sondern auch des literarischen und theoretischen, im Spannungsfeld von Wagners Leben, seiner persönlichen Beziehungen und seiner Zeit. Interpretatorische Kurzschlüsse zwischen Leben und Werk, die gerade die Wagner-Literatur bis in die jüngste Zeit hinein vorgenommen hat, werden dabei ausdrücklich vermieden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013
Christian Wildhagen bespricht Dieter Borchmeyers "Richard Wagner" zusammen mit Udo Bermbachs Essay "Mythos Wagner" und Barry Millingtons Bildmonografie "Der Magier von Bayreuth". Dabei schreibt er ein wenig aus der Perspektive des mit allen Wassern gewaschenen Connaisseurs, dem niemand so leicht mehr Neues über diesen "deutschesten aller Komponisten" erzählen kann. Alle drei Werke bespricht er freundlich, ohne zu verhehlen, dass die in ihnen präsentierten Erkenntnisse tatsächlich kaum Umstürzendes bringen. An Borchmeyer stört ihn ein wenig, dass der Autor die persönliche von der Werkbiografie trennen will, was dem Rezensenten etwas zwanghaft, ja beschönigend scheint, zumal Borchmeyers Wagners Antisemitismus gegen den angeblich noch schlimmeren Arthur de Gobineaus ausspielen wolle - als gehöre Wagner nicht selbst zu den fundamentalen Klassikern der modernen Spielart des Judenhasses. Interessanter findet Wildhagen Borchmeyers Frage, wie es denn gleichzeitig einen "Wagner Hitlers" und einen "Wagner Thomas Manns" geben könne.
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