Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. Dieser ungarische Fin-de-siecle-Klassiker führt uns in den Randbezirk der glanzvollen Donaumonarchie. Die fiktive Provinzstadt Sarszeg, fernab aller mondänen k.u.k-Herrlichkeit, dient als Kulisse eines psychologischen Kammerspiels, das der Autor mit verhaltenen Tönen und sparsamen Gesten höchst effektvoll zu inszenieren weiß. Zum ersten Mal seit langen Jahren sind die Eheleute Vajkay unter sich. »Lerche«, wie sie ihre längst erwachsene Tochter noch immer zärtlich nennen, ist der Einladung von Verwandten zur Sommerfrische auf dem Lande gefolgt - ein wahrhaft unerhörtes Ereignis im sonst so gleichförmigen Einerlei des häuslichen Alltags zu dritt. Öd und leer scheint den betagten Eltern das Haus ohne die geliebte Tochter. Nur widerwillig, da die gewohnte Hilfe im Haushalt fehlt, entschließt man sich zu einem Restaurantbesuch - und findet zum eigenen Erstaunen Geschmack sowohl am Essen wie an der Gesellschaft. Das Experiment wird wiederholt, und allmählich taucht das Paar wieder ein ins bewegte Leben der Kleinstadt, von dem es sich so lange abgeschottet hatte. Lerche hingegen, das unansehnliche, altjüngferliche Mauerblümchen, verbringt freudlose Ferientage und schreibt, statt sich zu amüsieren, pflichtschuldig lange Briefe an die Eltern.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2008
Freudig begrüßt Christoph Bartmann den Roman "Lerche" des ungarischen Schriftstellers Dezsö Kosztolanyi, der nun in gleich zwei Neuausgaben, der von Manesse und der von Suhrkamp, vorliegt. Keine leichte Wahl findet Bartmann, hat man sich doch zu entscheiden zwischen der Übersetzung von Christina Viragh und der von Heinrich Eisterer sowie dem Nachwort von Peter Esterhazy und dem von Ilma Rakusa. Nach sorgfältiger Überprüfung kommt er zu dem Urteil, beide Ausgaben seien gleich gut, auch wenn er ausführlicher über Esterhazys erhellendes Nachwort berichtet. Wichtiger als die Wahl der Ausgabe scheint ihm allerdings, das Buch einfach zu lesen. Schließlich kann der Roman über das langweilige Leben in der ungarischen Kleinstadt Sarszeg in seinen Augen mühelos mit den "Klassikern der europäischen Moderne" konkurrieren. Sein Fazit: ein "herrliches Buch, ein subtiles, satirisches Gesellschaftsporträt aus einer Zeit, in der es noch eine Gesellschaft gab und die Literatur das privilegierte Medium war, sie zu erfassen."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2008
Ungeachtet seines unbestrittenen Rangs unter den Schriftstellern der Moderne, wird das Werk Dezsö Kosztolanyis hierzulande bislang nicht angemessen gewürdigt, meint Andreas Breitenstein, der es deshalb als wahren Glücksfall bejubelt, dass der 1924 entstandene Roman "Lerche" nun sogar in zwei Neuübersetzungen vorliegt. Beide Übersetzungen haben laut Rezensent ihre Vorzüge, Heinrich Eiserer hat sich an einen nüchterneren Sprachduktus gehalten, während Christina Viragh das Poetische betont. Der Roman erzählt von der abgrundtief hässlichen Lerche, die mit ihren Eltern im ungarischen Kaff Sarszeg zusammenlebt und dort in Sparsamkeit, Einsamkeit und Langeweile ein strenges Regime führt, erklärt Breitenstein. Als Lerche für einige Tage wegfährt, beginnt für die Eltern ein kurzes, wildes Leben in Freiheit, bei ihrer Rückkehr aber versinkt die Familie wieder in alter Trostlosigkeit, so der Rezensent, der hier nicht nur eine traurige Familiengeschichte erzählt sieht, sondern es mit einem "Psychogramm" der ganzen Epoche um die Jahrhundertwende zu tun zu haben meint. Großartig beschreibt Kosztolanyi die Abgründe der Seele und der Gesellschaft, preist Breitenstein, der dessen Präzision des analytischen und dabei dennoch empathischen Blicks besonders schätzt.
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