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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Christian Geissler (k)

ein kind essen

Liebeslied

Cover: ein kind essen

Rotbuch Verlag, Hamburg 2001
ISBN-10 3880226954
ISBN-13 9783880226951
Gebunden, 148 Seiten, 18,50 EUR

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Klappentext

Wie geht das? Ein Kind stirbt. Eine junge Frau steht im Verhör. Ein junger Mann stürzt in Verwirrung. Zwei alte Kommunisten tauschen Briefe wie Küsse, sie atmen zusammen, sie konspirieren. So geht das. So geht es um Stockrosen und um Hundeführer und um keine verlorene Wut und um eine Werkstatt der Reichen bei Windstärke elf. Und es liegen zwei Mäuse erschlagen im Apfelbord Bart in Bart. Und es leuchtet ein Schreck und es schlägt ein Glück mittsommernachts polnisch. Und es droht uns der Pastor aus seinem samtschwarzen Höschen. Da hebt das Kind seine Hand. Da schreien die Eltern. Da flucht die Liebe. Auf geht´s, sagt Geissler.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.01.2002

In dem neuen Roman des 1928 geborenen Christian Geissler ist die Liebe das zentrale Thema. Und zwar die Liebe eines Elternpaars, das Luxuskarossen aufarbeitet, zu ihrem Kind, das durch die Dämpfe und Lackrückstände in der Werkstatt stirbt, und die Liebe zu den Menschen, die die beiden Protagonisten Ole Blesse und Kargow in ihren kommunistischen Grundansichten miteinander verbindet, berichtet Detlef Grumbach. Diese Liebe kostet die beiden einige Ohnmachtserfahrungen, ein weiteres Thema von Geissler, der sich, hat der Rezensent beobachtet, in seinen Veröffentlichungen zunehmend von einer realistischen Erzählweise entfernt habe. "Ein Kind essen" sei, meint Grumbach, trotz des düsteren Titels tatsächlich ein Liebeslied, eines, das die Hoffnung auf das Gute im Menschen nicht aufgebe.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.11.2001

Charakteristisch für das Buch ist die Erfahrung der Ohnmacht, erklärt uns Detlef Grumbach, nicht jedoch ohne hinzuzufügen, wie sehr Vertrauen in den Menschen und Zuversicht auch eine Rolle spielen, wie sehr das Ganze eben ein "Liebeslied", die Liebe das zentrale Motiv des Textes ist. Der Rezensent scheint gerührt. Der Text selbst indessen bleibt uns seltsam fern, wenn wir Grumbachs Besprechung lesen. Dass wir erfahren, der sich über ein Jahr erstreckende Briefwechsel "der beiden alten Kommunisten und Spanienkämpfer Ole Blessie und Kargow" handle nicht nur von Liebe, aber auch von "apokalyptischen Bildern aus der Nazi-Zeit und der Gefahr eines neuen Faschismus", erhellt die Sache nicht sehr. Und hilft es uns weiter, wenn Grumbach bemerkt, der Schreibfluss der Briefe sei von "assoziativen Fetzen von inneren Monologen und Rechtfertigungen" durchzogen? Man muss das wohl lesen.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2001

Allzu viel wusste Wulf Segebrecht mit der experimentellen Prosa von Christian Geissler (k) nicht anzufangen. Zwei alte Männer, der eine aus Geisslers kleinem ostfriesischen Dörfchen Leege Plaatse, der andere aus Rostock, pflegen eine höchst eigenwillige Korrespondenz über Politik, Alltag, Sinn des Lebens und Unsinn der Liebe und vor allem über den Krebstod des kleinen Jungen Alex, verursacht durch die Lackdämpfe in der elterlichen Autowerkstatt. Das wird aber nicht flüssig erzählt, sondern verschlüsselt, berichtet der Rezensent, der Geisslers Prosa in "kleine und kleinste Partikelchen" zerfallen sieht, die als Stich- und Schlagworte kurz aufleuchten, aber genauso schnell wieder verlöschen. Schade, denkt Segebrecht, das ambitionierte Aufflackern könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Buch ein Dokument der Desorientierung, der Verwirrung und des Wahnsinns sei. Und das reicht dem Rezensenten nicht, um sich ästhetischen Lesegenüssen hinzugeben.

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