Die Wehrmacht hat von 1941 bis 1944 einen völkerrechtswidrigen, rassistischen Vernichtungskrieg geführt. Warum sind die Generäle Hitler hierbei gefolgt? Wolfram Wette zeigt als erster, dass antirussische und antisemitische Feindbilder im preußisch-deutschen Militär Tradition hatten, die nach 1917 mit der Wahnvorstellung vom "jüdischen Bolschewismus" verknüpft wurde. Ohne jene Feindbilder, ohne die Verherrlichung von Krieg und Gewalt, ohne die traditionsreiche Missachtung des Kriegsvölkerrechts hätte der Krieg im Osten so nicht geführt werden können. Nach 1945 wurde dies mit der Legende von der sauberen Wehrmacht systematisch vernebelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.05.2002
Der profilierte Historiker Wolfram Wette schrieb dieses "gut lesbares Geschichtsbuch", laut Rezensent Malte Oberschelp, mit Blick auch auf die allgemeine Öffentlichkeit. Nach Oberschelp führt diese Veröffentlichung den kulturgeschichtlichen Sammelband "Willensmenschen" (1999) in einer militärhistorische Betrachtung fort. Sich nicht auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs beschränkend untersuche Wette die Ursprünge und Folgen von fortbestehenden Wehrmachtstraditionen, um dann der Vorgeschichte des wachsenden Antisemitismus und der frühen Erfindung diskreditierender Behauptungen über Juden durch kaisertreue Freikorps-Offiziere nachzugehen. Im letzten Drittel dokumentiere Wette die Entstehung der Legende um eine "saubere Wehrmacht": Die Selbststilisierung der Generäle vor den Nürnberger Prozessen als Quasi-Widerstandskämpfer, die Ehrenerklärungen Adenauers und Eisenhowers und das allgemeine Leugnen persönlicher Schuld halfen, diesen Mythos zu begründen, meint der Rezensent. Dieses Buch ist eine "Studie darüber, wie Geschichte gemacht werden kann", begeistert sich Oberschelp und lobt dann besonders den Abschluss mit der exemplarischen Biografie des österreichischen Feldwebels Anton Schmidt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2002
Rainer Blasius zeigt sich überzeugt von dieser "kenntnisreichen und pointierten Studie" über die Rolle der Wehrmacht im rassenideologischen Vernichtungskrieg. Der ehemalige Offizier Wette, schreibt Blasius, schlage unter Berücksichtigung der Forschungsergebnisse der letzten drei Jahrzehnte "den Feindbilder-Bogen" von 1916 bis ins Jahr 1941. Mittels der aufgezeigten "Feindbilder-Kontinuitäten" (Furcht vor dem Bolschewismus, Entwicklung des Arier-Paragrafen etc.) gelinge dem Autor die Ausweitung der in der Forschung bekannten These vom "ideologischen Schulterschluss" deutscher Generäle mit Hitler.
Wolfram Wette, so stellt Norbert Frei klar, gehört zu einer kleinen Schule kritischer Militärhistoriker, die schon seit Jahren - und auch Jahre vor der Wehrmachtsausstellung - auf die Verstrickung der Wehrmacht in die Naziverbrechen aufmerksam machten und Kontinuitäten des deutschen Militärs von der Weimarer Republik über die Nazizeit bis in die Bundesrepublik untersuchten. Bei diesem Buch scheint es sich um eine Art Summe seiner Forschungen zu handeln. Frei hebt lobend hervor, dass Wette seine Untersuchung früh beginnen lässt: In rechtsextremen Terrorgruppen der Weimarer Republik, die sich aus der alten Reichswehr speisten und in Terroranschlägen gegen jüdische Politiker in den zwanziger Jahren weist Wette Vorzeichen für das später Kommende nach, erzählt Frei. Und zum später Kommenden zählt etwa das Massaker von Babij Jar mit seinen 33.000 Toten aus dem Jahr 1941, das "unter der Verantwortung des Heeres" verübt wurde. Freis Rezension des Buchs ist sehr zustimmend. Allenfalls stört ihn, dass Wette zuweilen "mehr argumentiert, als dass er zeigt" und dass er die Aussagekraft seines reichhaltigen Materials dadurch zu beeinträchtigen droht. Aber dies scheint ein kleiner Fehler in einer insgesamt schlüssigen Darstellung des Themas zu sein.
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