Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Dragan Velikic

Der Fall Bremen

Roman

Cover: Der Fall Bremen

Quadriga Verlag, Berlin 2002
ISBN-10 3898340465
ISBN-13 9783898340465
Gebunden, 237 Seiten, 20,00 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Serbischen von Bärbel Schulte. "Bremen", fragt einmal Ivan, der Held des Romans, "ist das Stadt, Pension, Hafen oder Lager?" Dragan Velikic verwebt die Schicksale dreier Generationen von Emigranten und erzählt vom ungewöhnlichen Leben des Straßenbahnfahrers Emil Kohot, vom absoluten Gehör Ivan Bazarovs, vom Verschwinden Johann Kastendieks und von Belgrader Hotels und Karlsbader Pensionen.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2002

Karl-Markus Gauß ist von dem sechsten Roman des Serben Dragan Velikic über Orte, Personen und Dinge, die mit der Stadt Bremen in Verbindung stehen, tief beeindruckt. Vor allem das Talent des Autors, alles miteinander zu verknüpfen, real und in der Phantasie, lobt er. Mit "kompositorischem Raffinement" lasse Velikic seinen Protagonisten Ivan Batarov, ein Portier in Belgrad, nach den Spuren seines Vaters suchen, der im Zweiten Weltkrieg in einem Zwangsarbeiterlager bei Bremen verschollen ist. Besonders begeistert ist der Rezensent von der "Leichtigkeit", Souveränität und "Beiläufigkeit", mit der Velikic Distanzen zu überwinden und "Welthistorie" in eine Familiengeschichte zu packen wisse. Auch wenn sich Gauß an manchen Stellen etwas weniger Doppelbödigkeit gewünscht hätte, hält er Velikic zweifellos für einen Autor, der gekonnt "bizarre Anekdoten", "markante Details" und "kluge Reflexionen" in seinem Roman untergebracht habe und die Kunst beherrsche, den modernen Roman eines Broch oder eines Musil "spielerisch mit postmodernem Zauber- und Blendwerk" zu verbinden.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2002

Dass man diesem Autor deutlichere Worte über Milosovic abverlangt, kann Eva Menasse nicht verstehen. Als Intellektueller habe er seine Schuldigkeit in Form von politischen Kommentaren getan, wohingegen seine Bücher keine direkt politische Sprache sprächen und dass auch nicht müssten, meint Menasse. Velikic hat nicht nur sein Land im Blick, sondern das große Ganze, wie Menasse schreibt, den ganzen Balkan, dessen Topografie er in seinen Romanen unermüdlich auf der Spur bleibt. "Der Fall Bremen" entfaltet eine mitteleuropäische Familiensaga über drei Generationen, über mehrere Länder, Städte, Sprachgrenzen hinweg; Ironie der Geschichte, die "wie ein sepiafarbenes Familienepos" beginnt, so Menasse, sei, dass der Enkel die bislang für seine Familie typische Mobilität aufgebe und Portier in einem Belgrader Hotel werde. Ivan muss nicht mehr reisen, erklärt die Kritikerin, er hat alles im Kopf: Postkartenansichten, Stadtpläne, Anekdoten, bloß sein Leben nicht. Der Roman endet als philosophisches Lehrstück, in dem der Autor ein unsichtbares Netz über und unter seinen Figuren ausbreitet. Die ist alles andere als ein nostalgisches Familienalbum, sondern ein ironischer, zugleich poetischer Roman, versichert die Rezensentin.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Eine iranische Liebesgeschichte zensierenShahriar Mandanipur: Eine iranische Liebesgeschichte zensieren
Aus dem Englischen von Ursula Ballin. Ein iranischer Schriftsteller ist es leid, immer nur düstere Romane ...

Buch: Dein Gesicht morgenJavier Marias: Dein Gesicht morgen
Aus dem Spanischen von Elke Wehr. "Wollte Gott, dass niemand uns jemals um etwas bittet oder auch nur fragt, ...

Archiv: Bücherschauen

Vexierspielkünstler

20.03.2010: Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren