Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Wolfgang Sofsky untersucht die Sozialformen des Terrors: den Amoklauf und das Attentat, das Lynchen und Schänden, die Schrecken der Verfolgung, des regulären Krieges der Soldaten, des wilden Krieges der Banden und Marodeure und des neuen Terrorkriegs. Sofsky geht es dabei nicht nur um die Deutung und Aufklärung schwer verständlicher Gewaltexzesse. Die Beschreibung historischer und aktueller Ereignisse zeigt, dass die Impulse der Grausamkeit und die Dynamik der Gewalt sozial und anthropologisch tief verankert sind - zu tief, um sie dauerhaft und verlässlich zu unterdrücken. Das Buch widerspricht gängigen Vorstellungen über die vermeintlichen Errungenschaften der modernen Zivilisation. Der letzte Teil des Buches widmet sich der Zeit nach dem Schrecken: der Vergeltung, dem Vergessen und Erinnern, Schuld und Scham, dem Verschwinden der Zeichen und Spuren.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2002
Zwei Bücher über die Welt nach 9. September stellt Andreas Bock uns vor, zwei Bücher, denen eine wenig hoffnungsfrohe Perspektive gemein ist: Der Krieg wird weitergehen. Jenseits dieser Perspektive, so Bock, unterscheiden sich die beiden Bände allerdings erheblich. Während Strobe Talbott und Nayan Chanda in ihrem Sammelband über "Das Zeitalter des Terrors" (Propyläen) acht renommierte Wissenschaftler zu Wort kommen lassen, die leider die Vermutung bestätigen, "dass in den USA komplexe Erklärungsansätze derzeit keine Konjunktur haben" (so huldigen die Beiträger im wesentlichen der Macht der USA oder gar der "völligen Vernichtung" als dem einzigen Mittel gegen die Bedrohung), nähert sich Wolfgang Sofsky dem Thema mit "Zeiten des Schreckens" (Fischer) nicht über Ideologien, sondern über "das Menschliche im Tötungsakt". Die Gewalt, zitiert Bock den Autor, ergebe sich aus der spezifischen Menschlichkeit des Menschen. Und das stimmt, tatsächlich, mindestens ebenso hoffnungsfroh wie es differenziert klingt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2002
Rezensent Urs Hafner hält dem Autor zugute, dass er keine "wohlfeilen Antworten" zum Anschlag des 11. Septembers liefert, vielmehr räume er "resolut" mit einigen verbreiteten Sichtweisen auf: Weder die Zivilisation, noch das Elend, noch religiöser Fanatismus könnten die Ursache für derartige Taten sein, da die Welt anderenfalls "vorwiegend aus Terroristen bestehen" müsse. Auch die Ansicht, es handele sich um den Kampf zweier Kulturen, sei wegen der fehlenden politischen Botschaft unhaltbar und diene ebenfalls lediglich der "intellektuellen Selbstverblendung", schreibt Hafner. Vielmehr gehöre nach Sofsky die Gewalt und das Töten zum Menschsein und daran liasse sich auch nichts ändern. Der Rezensent fand "überraschend nuancierte Stellen" im reich verzweigten "Inventar der Gewaltformen" und hält den Autor daher trotz aller Pauschalisierungen weder für einen Zyniker noch einen Provokateur.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2002
Dass der Göttinger Soziologe Wolfgang Sofsky sich seit langer Zeit mit Phänomenen der Gewalt detailliert beschäftigt, weiß zumindest die Fachwelt spätestens seit dessen Essaysammlung "Traktat über die Gewalt" (1996) zu schätzen. Zur Fachwelt gehört auch Herfried Münkler, der den neuen Band über Formen des Schreckens mit besonders kritischem Blick gelesen hat. Und so fällt Münklers Besprechung eher gemischt aus. Er lobt Sofskys klare Analysen, ihre Detailliertheit und Anschaulichkeit, insbesondere seine Soziotypisierung des Marodeurs, die "zum Besten" gehöre, was man bisher darüber lesen konnte. Doch kritisiert der Rezensent Sofskys einseitigen Blick auf die Konstellation von Gewalt, seine strikte Unterscheidung von Täter und Opfer und seinen Fokus auf Gewalt als Lustgewinn. Analysen symmetrischer Gewaltsituationen, wie etwa im Zweikampf, seien Sofskys Sache nicht, bedauert Münkler. Und so könne man in diesem Buch zwar präzise Analysen asymmetrischer Gewalt lesen, aber wenig über "Gewaltanwendungen, bei denen sich die Akteure Regeln unterwerfen, die Gewalt gleichermaßen lizensieren und limitieren."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.03.2002
Wenn diese Sammlung von Essays auch auf bereits veröffentlichte Texte zurückgreift, so biete sie doch eine einheitliche Thematik. Harry Nutt liest das Buch als einen "wichtigen Beitrag zur Dechiffrierung der neuesten Gewaltphänomene", wenn auch die politischen Prognosen zuweilen sehr dunkel ausfallen. Auch die Auseinandersetzung mit anderen prominenten Gewaltheorien, wie beispielsweise die Studien von Adorno und Horkheimer oder etwa die Zivilisationstheorie von Norbert Elias fallen nach Nutts Geschmack etwas zu kurz aus, dennoch seien diese Aufsätze aber nicht zuletzt deshalb lesenswert, weil sie der Gewalt phänomenologisch nachzuspüren versuchten und dabei wenig beachtete Merkmale hervortreten lasse.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2002
Bücher über Terror, Gewalt, Krieg erfreuen sich seit dem 11. September 2001 größter Beliebtheit. Das Böse hat wieder Hochkonjunktur. Dementsprechend versucht auch Wolfgang Sofsky in seiner Studie "Zeiten des Schreckens" das Phänomen der Gewalt zu ergründen. Ein nach Ansicht des Rezensenten Jürgen Kaube misslungener Versuch. Statt auf große Theorien zu setzten, versucht Sofsky mittels detaillierter Analysen von Sachverhalten wie dem Mob, dem Amoklauf, der Razzia, dem Gefecht usw. grundlegende Formen von Gewalt jenseits der Geschichten aufzudecken. Kaube kritisiert zum einen, dass Sofskys anthropologische Erklärungen (a la: es gibt Gewalt, weil der Mensch gewalttätig ist) tautologisch sind. Mehr noch stört ihn Sofskys "Ersetzung von Argumenten durch Bilder", was eine ganze Reihe von "haltlosen Behauptungen" mit sich bringt. Sauer stoßen dem Rezensenten auch die seitenlangen Schilderungen von Gewaltszenarien auf, die für Kaube pseudo-authentisch bleiben, sich in Gemeinplätzen erschöpfen und keinen Erkenntnisgewinn vermitteln. Ohnehin kann sich Kaube kaum des Eindrucks erwehren, dass Sofsky seine These vor allem deshalb einleuchtend findet, weil sie so trendgemäß "grimmig" sind und gut zur jüngsten Geschichte passen. Das ist dem Rezensenten zu wenig. Über das Böse, findet der Rezensent, sollte nur schreiben, "wer die Vorstellung, es müsse nicht sein, nicht für eine Illusion hält".
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Dialoge (und Mono-, Tria-, Tetraloge)
04.09.2010: Viele lesenswerte Rezensionen heute in der NZZ. Atemberaubend erscheint ihr der Roman "Fegefeuer" der jungen finnischen Autorin Sofi Oksanen über die Gräuel in Estland nach dem Krieg. Nüchtern und informativ ist die NZZ-Besprechung zu Thilo Sarrazin. Spannend die Auseinandersetzung mit dem Romancier und Tagebuchautor Sandor Marai. Und faszinierend die Neuübersetzung von William Gaddis' Roman "JR". Die FAZ bringt die erste Besprechung von Jonathan Franzens "Freiheit'": Simply ein Must.
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Hannah Arendt, Gershom Scholem: Der Briefwechsel
30.08.2010: Von 1939 bis 1964 führten Hannah Arendt und Gershom Scholem einen intensiven Briefwechsel, in dem sie sich über jüdische Geschichte und jüdisches Selbstverständnis auseinandersetzten. Lesen Sie hier Auszüge aus der Korrespondenz, in denen es um Walter Benjamins Tod und Hannah Arendts Bericht "Eichmann in Jerusalem" geht. Mehr lesen
Elisabeth Badinter: Der Konflikt
23.08.2010: Frauen sollten wieder zurück zu Heim und Herd. Diesmal nicht, um den Mann zu umsorgen, sondern das Kind. Unter dem Banner der Natürlichkeit werden die Ansprüche an die gute Mutter so in die Höhe geschraubt, dass Frauen ihre Freiheiten wieder zu verlieren drohen, fürchtet Elisabeth Badinter. Lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem neuen Buch "Der Konflikt".
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Maria Sonia Cristoff: Patagonische Gespenster
19.08.2010: Die argentinische Journalistin Maria Sonia Cristoff bereist Patagonien und berichtet von den Menschen, die es dorthin verschlagen hat, in diese gottverlassenen Landschaften am anderen Ende der Welt. Lesen Sie hier einen Auszug aus: "Patagonische Gespenster". Mehr lesen





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