Aus dem Französischen von Alfred Günther. Der Roman über den Verfall des großen, alten, trunksüchtigen Schauspielers Maugin. Umgeben von erwünschten und unerwünschten Gestalten - seiner jungen, liebenden Frau Alice,...
"[W]ieder etwas über die Anthropologie des Schauspielers", fürchtete Rezensent Franz Schuh zu lesen, als er das Vorwort von Georges Simenons "Die grünen Fensterläden" gelesen hatte. Und wurde im Laufe weiterer 200 Seiten positiv überrascht: Die Schauspielerei spiele in dem Buch, das im Zuge der Neuausgabe von Simenons Werken bei Diogenes als Taschenbuch erschienen ist, eine wichtige, aber sekundäre Rolle. Der Protagonist Maugin ist Schauspieler, aber, was Schuh interessanter findet, ein sich selbst fremder Mensch. Ein Flüchtender, der sein Leben irgendwie zu Ende bringen will. Interessant sei besonders die Konstellation Vater-Sohn: einerseits der von sich selbst entfremdete Schauspieler, andererseits der "keimfreie Schleimer"-Sohn, der seinen Vater so lange mit seinem Elend zujammere, bis dieser ihm Geld gibt: eher aus Verachtung als aus Mitleid. "Lesend spüre ich leibhaftig", wird Schuh gegen Ende seines Artikels pathetisch, "wie dieser unsympathische Mensch auch nur einer ist, der versucht, mit dem Leben fertig zu werden." Simenon habe die "Sozialisierung des Soziopathen" auf seine Fahnen geschrieben. Ins Herz schließen könne Schuh die Hauptfigur zwar nicht, aber wiedererkennen könne er sich selbst in ihr. Auch formal überzeugt der Roman den Rezensenten. Besonders die Technik des Verwischens, des beiläufigen Andeutens und des erst späten Präzisierens einzelner Motive gefällt Schuh - ohne dies weiter auszuführen.
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