In der philosophischen Auseinandersetzung zwischen Liberalismus und Kommunitarismus gehört Charles Taylor eher zur Seite der Kommunitaristen. Geht der Liberalismus von einem Individuum aus, das unabhängig von Wertüberzeugungen und frei von sozialen Bindungen ist, betont Taylor die Rolle des Gemeinwesens und die Einbindung des Individuums in die Werte seiner Kultur. Mit der Erfahrung eigener politischer Aktivität diskutiert Taylor in seinen Aufsätzen Themen wie Nationalismus, Ausgrenzung, Solidarität und analysiert den Individualismus der Moderne.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.03.2002
Dass die mit diesem Band dokumentierte Debatte zwischen Liberalismus und Kommunitarismus bereits einige Jahre zurückliegt, wie der Rezensent einräumt, scheint schon in Ordnung zu gehen. Ebenso wie die hier vertretene kontroverse These von einem "gesunden Maß" an Patriotismus und Nationalismus als Basis der Demokratie. Der Autor, so gibt Ludger Heidbrink zu verstehen, geht umsichtig genug vor und sieht sehr wohl die Gefahr der allzu starken Homogenisierung der Gesellschaften, "die sich nach innen und außen gegen störende Fremdeinflüsse abschotten". Zweifelhaft hingegen erscheint Heidkamp, was er als den "romantischen Kern" von Taylors Liberalismuskritik bezeichnet: die Vorstellung, die individuelle Selbstverwirklichung bilde den Motor sozialer Verständigung. "Sollte dies tatsächlich so sein, wäre die kommunitäre Zivilgesellschaft, die Taylor vor Augen hat, eine höchst prekäre Angelegenheit."
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