Herausgegeben von Wolfram Wette, Ricarda Bremer und Detlef Vogel. Nach den militärischen Rückschlägen von Stalingrad und dem zunehmenden Bombenkrieg wurde die Kriegslage im Jahr 1944 für die Deutschen immer aussichtsloser. Geglaubt wurden nur noch Informationen von Wehrmachtssoldaten. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand eine Propagandaaktion von Wehrmacht und Reichspropagandaministerium: Frontsoldaten sollten die Menschen mit Parolen zum Durchhalten animieren und zugleich Berichte über Meinungen und Stimmungen in der Bevölkerung aufzeichnen. Der Band enthält Dokumente zur Organisation und Durchführung dieser Mundpropaganda-Aktion sowie die erhaltenen Stimmungsberichte aus den Städten Berlin, Nürnberg, Hamburg und Wien. Die Edition dieses Quellenbestandes beleuchtet einerseits die lange geleugnete Zusammenarbeit zwischen Wehrmacht und Partei und liefert andererseits einen umfangreichen und detaillierten Beitrag zur Sozialgeschichte des Krieges an der Heimatfront.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.03.2002
Diese "hervorragend erläuterten" Stimmungsberichte dokumentieren laut Rezensentin Freya Eisner "erregend authentisch" Situation und Einstellungen vor allem der unteren Schichten der Berliner Bevölkerung von Oktober 1944 bis April 1945. Zugleich machen sie deutlich, dass eine Mobilisierung des deutschen Volkes gegen die Machthaber angesichts der vorherrschenden Kritiklosigkeit gegenüber dem Naziregime und der Überzeugung sich im Verteidigungskrieg zu befinden, auch für aktive Widerstandskämpfer aussichtslos gewesen wäre, schreibt Eisner. Die Aufzeichnungen stammen von linientreue Informanten, die neben ihrer propagandistischen Tätigkeit der politischen und militärischen Führung 'wahrheitsgemäß und ungeschminkt' über Nöte und Äußerungen der Bevölkerung zu berichten hatten, so Eisner.
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