Merxleben, ein thüringisches Dorf, in dem 1952 die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gegründet wurde, sollte ein sozialistisches "Musterdorf" werden. Das Wechselspiel aus Veränderung und Resistenz wird in dieser empirischen Untersuchung eindringlich dargestellt. Quellengrundlage bilden Feldforschungen, Interviews mit Bewohnern und Funktionären sowie umfangreiches Archivmaterial. Die Autorin verdeutlicht, wie der "Aufbau des Sozialismus" auf dem Land staatlicherseits projektiert wurde, wie er sich in der Realität abspielte und woran er scheiterte. Anschaulich und facettenreich beschrieben wird das spannungsreiche Beziehungsgefüge von normativer Agrarpolitik und Dorfalltag, von staatssozialistischem Diktat und dörflicher Nischenkultur, von Anpassung und Widerstand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2002
Im Rückblick auf die Zeit nach Kriegsende beschreibt die Autorin laut Rezensent Klaus-Peter Krause das Dorf Merxleben im einstigen DDR-Bezirk Um herauszufinden, wie die Menschen die Kollektivierung durch die Kommunisten erlebt haben, lässt sie sie zu Wort kommen, darunter Vertriebene aus den Ostgebieten und die Mittel- und Großbauern, die damals als "Klassenfeinde" galten. Trotz der kritischen Darstellung der DDR-Agrarpolitik gibt die Autorin nach Meinung des Rezensenten vor allem die Sichtweise der Kommunisten wieder. Er vermisst "die Wahrnehmung, dass diese (Bodenreform) zugleich ein Akt politischer Verfolgung Unschuldiger war".
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