Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.03.2002
Die Mediävistik ist gerade dabei, stellt Valentin Groebner zu Anfang seiner Rezension fest, sich als Medienwissenschaft neu zu erfinden und als solche Bögen bis in die Cybergegenwart zu schlagen. Und so ist es kein Wunder, dass sich im besprochenen Sammelband als zentrale Frage die "nach den Medien, den Inszenierungen und nach dem Zusammenspiel zwischen Ritual und Aufschreibesystemen" findet. So seltsam uns halbnackte Totschläger und die Unterwerfungsgeschenke an Barbarossa vorkommen mögen - es handelt sich dabei stets um "sorgfältig inszenierte politische Spektakel", und somit um im Prinzip vertraute Phänomene. Und noch vor dem Buchdruck gab es allenthalben "Medienwechsel", sei es in der raschen Verbreitung von Rundschreiben, in immer neuen Formen des Visuellen. Bei der Lektüre des Bandes wird einem schnell klar, so Groebner, was die herkömmliche Geschichtsschreibung des Mittelalters so alles "ignoriert" hat: "Querverbindungen zwischen Liturgie und Propaganda, das Verhältnis zwischen Performanz und Schrift, zwischen Körpern und Bildern."
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