Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Meinhard Miegel stellt unsere Gesellschaft auf den Prüfstand - das Gemeinwesen, die Wirtschaft, die Sozialsysteme. Sein Fazit: Von einer zukunftsorientierten Leistungsgesellschaft sind die Deutschen weit entfernt. Sie verdrängen ihre Wirklichkeit und wiegen sich in Wohlstandsillusionen. Dabei fordert der dramatische Wandel der Grundlagen unserer Gesellschaft ein rasches Umsteuern auf allen Ebenen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.09.2002
"Achtung: Sprengstoff", warnt Dagmar Deckstein den Leser vor den Ausführungen von Meinhard Miegel, Leiter des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, über die "Lebenslügen" des Sozialstaats. Der sei nämlich, stimmt die Rezensentin dem Autor zu, dem Untergang geweiht, was die deutsche Bevölkerung nebst ihren Politikern aber nicht wahrhaben wolle. Für Deckstein steht außer Frage, dass die schonungslosen Schlussfolgerungen des "einsamen Rufers in der Wüste bundesrepublikanischer Selbstverantwortungslosigkeit" eines der "wichtigsten und besten Bücher der Saison" sei. "Sachkundig" und "unpathetisch" weise der Autor auf den Bevölkerungsrückgang in Deutschland seit Beginn des 20. Jahrhunderts hin und bringe viele "zeitgenössische und historische Fakten" und Statistiken auf den Tisch, die den Deutschen eigentlich, meint die Rezensentin, die Augen öffnen müssten. Vielleicht, hofft Deckstein, werde dieses Buch wenn schon nicht jetzt, dann aber in vier Jahren einen grundlegenden Politikwechsel und einen Abschied von Sozialstaat bewirken.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.04.2002
Benedikt Koehler fühlt sich durch die polemischen, mitunter auch provokativen Thesen des Buches zum Widerspruch herausgefordert. Er teilt nicht den "Pessimismus" des Wirtschaftswissenschaftlers und Rentenfachmanns Meinhard Miegel und argumentiert, nicht die Bevölkerungszahlen allein hätten Auswirkungen auf die Wirtschaft wie der Autor glauben mache, sondern die "Steigerung der Produktivität" sei maßgeblich für ein Wachstum der Ökonomie. Auch die Behauptung Miegels, Deutschland schaffe den "Sprung in die multikulturelle Gesellschaft" nicht, kritisiert der Rezensent als "kleinmütig" und unwahrscheinlich. Dann aber überschüttet er das Buch überraschend mit Lob und hebt seine gute Lesbarkeit und seine anschaulichen Beispiele, die das Verständnis erleichtern, hervor. Schließlich wünscht er der Studie noch eine breite Leserschaft vor den nächsten Wahlen, und dem Leser seiner Kritik bleibt nur Verwunderung darüber, warum er dem Autor in einer Tour widerspricht, das Buch dann aber so warm weiterempfiehlt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.03.2002
Am "faszinierendsten" sind in dieser essayistischen Abhandlung über die immer älter werdende Gesellschaft von Meinhard Miegel seine "Überlegungen zu demografischen Veränderungen", so Rezensentin Barbara Dribbusch. Leider, und eben das bemängelt die Rezensentin eindeutig, kommt der ehemalige CDU-Funktionär letztlich zu keinen neuen Erkenntnissen für die Zukunft. Vom "Umbau des Sozialstaates", der Forderung nach "Eigenverantwortung und sozialer Mündigkeit" der Bevölkerung ist hier die Rede, was den Text klar in einen "ideologisierenden" sozialpolitischen Kontext setzt, den man von Miegel schon gewohnt ist, analysiert Barabara Dribbusch weiter. Aufschlussreicher hätte sie es gefunden, wenn Miegel seine Überlegungen zur "kulturellen" Transformation der Zukunft in Gedankenexperimenten weiter geführt hätte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.03.2002
Meinhard Miegel, der vor einem Jahr den Schader-Preis, die höchstdotierte Auszeichnung für praxisnahe Sozialwissenschaftler, erhielt, habe wieder "ein großes Buch" geschrieben, "informativ, anregend, provozierend", lobt Rezensent Warnfried Dettling. In drei Kapiteln zeige Miegel auf, wie der Wandel der Arbeitsgesellschaft zusammen mit der Alterung der Gesellschaft die Fundamente der sozialen Sicherung aushebele. Miegel beschränke sich jedoch nicht auf Kritik sondern mache auch Vorschläge, die Perspektiven aus der Krise aufzeigen. Dettling weist zudem darauf hin, dass sich das Buch nicht nur an einen kleinen Kreis von Experten, sondern durchaus an Politiker und die breite Öffentlichkeit wende, und lobt den flüssigen, bisweilen sogar spannenden Stil. Zu kritisieren seien lediglich einzelne Aspekte wie etwa der mitunter wenig differenzierte Begriff vom "Staat" oder die Niedergangs-Propheterie. Für wesentlich entscheidener hält Dettling die "lästige Frage", ob Institutionen überhaupt reformierbar und die Demokratie zukunftsfähig sind. Hierüber streiten sich die Geister, resümiert, er. Dennoch erscheint ihm Miegels Buch wichtig, denn, so bemerkt er abschließend, es "nennt die Kosten, die anfallen, wenn die Deutschen die Wirklichkeit weiter verdrängen, und er zeigt die Chancen, wenn sie neue Wege wagen".
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