Die Politik hat nicht mehr viel zu melden im 21. Jahrhundert, zunehmend diktieren globale Konzerne und die Gesetze der Freien Marktwirtschaft das Geschehen. Verbraucher üben über ihre Kaufentscheidungen mindestens genauso viel Macht aus wie über den Gang zu den Wahlurnen, große Unternehmen übernehmen mehr und mehr Aufgaben des Staates. Die Wirtschaft ist die neue Politik geworden. Die Autorin fordert eine starke Politik, die sich weniger auf Konzerne konzentriert, sondern auf die Menschen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.02.2002
Ambivalent ist für Rezensentin Dorothea Schuler dieses Buch, dass "ein mit 'Herzblut' geschriebenes Pamphlet" sein will und vor den "negativen Folgen der Globalisierung" warnt. Den deutschen Titel findet Schuler "peinlich" und "irreführend"- im Original heiße das Werk nämlich "The Silent Takeover. Global Capitalism and the Death of Democracy", was den Inhalt weit besser treffe, denn Autorin Noreena Hertz greife nicht die Wirtschaft an, sondern den Rückzug der Politik. Die Autorin hat durchaus ihre Stärken, meint Schuler, zum Beispiel, wenn sie Nichtregierungsorganisationen untersucht und nach ihren Einflussmöglichkeiten fragt. Aber sie schafft es nicht immer, Klischees zu vermeiden und verfalle oft in Gut-Böse-Schemata, moniert Schuler. Einige Beschreibungen aus Hertz' antiglobalisiertem Alltag sind leider völlig "ironiefrei", bedauert die Rezensentin, die auch die "naive" Politikauffassung der Autorin nervt. Wichtige Fragen bleiben offen oder gar ungestellt - insgesamt kein befriedigendes Werk, wenn auch mit einigen interessanten Ansätzen, ließe sich diese Besprechung zusammenfassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.02.2002
Ihr Weltbild ist schlicht polarisiert, ihre Argumentationsweise zu emotional, wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse werden ignoriert und inhaltlich neue Wege kaum beschritten - so lautet das niederschmetternde Fazit von Robert Jacobi über Noreena Hertz' Bestsellererfolg "Wir lassen uns nicht kaufen!", dessen pamphlethaften Tenor der deutsche Verlag noch durch das Zusatzetikett "Eine Generation rechnet ab" verstärkt hat. Immerhin, das gibt auch Jacobi zu, Hertz provoziert. Und sie schürt bewusst Angst, wie ihr der Rezensent vorhält, um ihr Feindbild noch schwärzer an die Wand zu malen: Politiker, die von den Vorstandsetagen der großen Konzerne dirigiert werden. Immerhin werden die europäischen Skandale der letzten Jahre alle einzeln aufgeführt. Offensichtlich ist dem Rezensenten das Talkshowtalent der telegenen Autorin zuwider, über deren schnelle Karriere er sich auslässt. Hertz jedenfalls setzt völlig auf die Verbraucher, so Jaobi, die selbstbewusster konsumieren sollen: Ökopizza und FCKW-freies Haarspray. Da verkommt Kapitalismuskritik zur Modeerscheinung, schimpft der unzufriedene Konsument und Rezensent des Buches.
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