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Klappentext
Dass Klaus Harpprecht in den Jahren 1972 bis 1974 Berater und Redenschreiber bei Willy Brandt war, ist bekannt. Dass er in dieser Zeit ein sehr persönliches Tagebuch geführt hat, war bislang ein gut gehütetes Geheimnis. Jetzt hat er diese Notizen aus dem Tresor geholt - ein Protokoll der Ära Brandt und ein Spiegel der Bonner Politik dieser Jahre.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2000
In einer Doppelrezenions schreibt Arnulf Baring über Klaus Harpprechts Band "Im Kanzleramt - Tagebuch der Jahre mit Willy Brandt" (Rowohlt) und über Friedrich Voss` "Der Kanzler im Visier - 20 Jahre mit Franz-Josef Strauß" (Von Hase & Koehler).
1) Klaus Harpprecht: "Im Kanzleramt"
Baring, der ja selbst durch Bücher über Brandt hervorgetreten ist, bescheinigt seinem Kollegen stilistische Brillanz und findet auch manche aufschlussreiche Anekdoten und Episoden, macht aber zwei Einwände geltend, die Harpprecht seiner Meinung nach hätten abhalten sollen, das Buch überhaupt vorzulegen. Zum einen stört ihn, dass Harpprechts Tagebuch aus seiner Redenschreiberzeit bei Brandt aus den Jahren 1973 und 74 stammt, also aus der Zeit des Niedergangs, wobei Baring nicht ganz verständlich machen kann, warum diese Zeit weniger interessant sein soll als die des Aufbruchs von Brandts sozialliberaler Koalition. Aber auch der Niedergang von Brandts Regierungszeit scheint sich Baring in dem Buch nicht deutlich genug zu profilieren, da Harpprecht nicht dem innersten Kreis um Brandt angehört hätte und darum nur "marginal informiert" gewesen sei. Als zweiten Einwand gegen Harpprechts Buch nennt er eine gewisse Verpflichtung eines ehemaligen Redenschreibers zur Diskretion. Nach Baring hätte Harpprecht nicht so sehr betonen sollen, dass Brandts Buch "Über den Tag hinaus" im wesentlichen von ihm geschrieben worden sei.
2) Friedrich Voss: "Den Kanzler im Visier"
Über Voss` Erinnerungen an Strauß äußert sich Baring positiv. Der Autor hat Strauß nach Baring nicht nur sehr nahe gestanden, er schafft es auch, trotz dieser Nähe eine erzählerische Distanz zu bewahren. Auch Voss war Redenschreiber, wenn auch nicht so brillant wie Harpprecht, meint Baring. Voss` Buch begrüßt er besonders deshalb, weil bisher wenige biografische Bücher über diesen einflussreichen Politiker zu Verfügung stehen, weil man Neues über Strauß` unglückliche Kanzlerkandidatur von 1980 erfährt und weil man auch verstehen lerne, wie deftig interne Auseinandersetzungen in der CSU ausgetragen wurden.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.08.2000
Warum kommt diese Veröffentlichung so spät, fragt Rezensent Hans Arnold, der auch mal bei Willy Brandt im Außenministerium gearbeitet hat. Und wenn schon so spät, warum hat sich der Verfasser dann nicht der Mühe unterzogen, sein Material zu sortieren und für eine umfassende Darstellung zu nutzen? Arnold bedauert diesen Umstand, schließlich ist der Gegenstand seiner Lektüre spannend: Harprechts Aufzeichnungen umfassen die zweite Amtszeit Brandts als Bundeskanzler. Am spannendsten findet Arnold den Anfang und das Ende des Buches: die Beschreibung der Wiederwahl, die gleich mitten ins Geschehen und Intrigenspiel führt, sowie den zusammenfassenden und sehr persönlich ausfallenden Rückblick auf die Ereignisse, die zum Rücktritt Brandts führten. Hier leistet der Autor das, was sich der Rezensent für das ganze Buch gewünscht hätte: eine lebendige, Aufschluss gebende Darstellung einer politischen Ära. Der große lange Mittelteil vermittele dem Leser bloß das Gefühl, so beschreibt es Arnold, als habe er aus Versehen in einen Sitzungssaal geschaut und kein Wort verstanden. Und das aus berufenem Mund.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.03.2000
Detailliert, aber weitestgehend unkommentiert bespricht Norbert Seitz den Erinnerungsband von Klaus Harprecht an seine Zeit mit Willy Brandt. Das Buch, so Seitz, beruht auf tagebuchähnlichen Aufzeichnungen per Tonband, die später verschwanden, aber immerhin gab es noch die Abschrift, die Harprecht jetzt zur Veröffentlichung bearbeitet hat. 1968 war der Journalist aus Bewunderung für Brandt der SPD beigetreten und schnell zu dessen Redenschreiber aufgestiegen. Er galt den anderen Parteigrößen wahlweise als Schöngeist, Intellektueller oder Bohemien, und als dieser schildert er nun den kleinkarierten und antiintellektuellen Zuschnitt der SPD-Parteigarde Anfang der 70er Jahre und ihr intrigantes Verhalten gegenüber Brandt. "Eine Zweiweltentheorie", so Seitz, die Brandt als "Opfer einer innerparteilichen Ansammlung von Spießern, Neidern und Asketen" sieht; eine Version der Geschichte, "die nicht unwidersprochen bleiben dürfte". Wie und warum, sagt der Rezensent nicht.
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