Aus dem Amerikanischen von Bringfried Schröder. Mit 16 s/w-Fototafeln. Was macht eine blitzgescheite Frau im viktorianischen London, wenn sie sich auch in der dritten Ballsaison noch keinen Ehemann angeln konnte? Sich über die sozialen Regeln der Zeit hinwegsetzen, England verlassen und das Abenteuer in der weiten Ferne suchen. Gertrude Bell (1868-1926), die als erste Frau in Oxford das Studium mit Auszeichnung abschloss, bereiste wißbegierig, eigenwillig und unerschrocken die arabische Welt und wurde zur gefragten Nahostexpertin. Im Ersten Weltkrieg bestinformierte britische Agentin im arabischen Raum, hatte sie großen Anteil an der Gründung des modernen Irak, baute das archäologische Museum von Bagdad auf und starb dennoch einsam und allein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.01.2002
Peter Münder schwärmt, dass es zwar insgesamt bereits sechs Lebensbeschreibungen der Archäologin, Beraterin Churchills in Mesopotamien und Orient-Expertin gibt, doch die vorliegende mit Abstand die "lebendigste und unterhaltsamste" Biografie darstellt. Er lobt die amerikanische Autorin dafür, mittels vielfältiger Quellen wie Briefe, Erlebnisberichte und Protokolle ein "spannendes und amüsantes" Bild des späten britischen Empires zu entwerfen sowie eine Frau zu charakterisieren, die bereits zu ihrer Zeit sowohl Respekt als auch Verachtung ob ihres ungewöhnlichen Lebenswandels erntete. Dass die Autorin dabei in ihrer Bewunderung Gertrude Bell mitunter etwas "verklärt" und ein "nostalgischer Schleier" über ihrer Darstellung liegt, mag der Rezensent nicht ausdrücklich kritisieren, da bereits die Scheichs, mit denen Bell Umgang pflegte, von ihr "total überwältigt" waren, so Münder verständnisvoll.
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